Posts Tagged ‘Wechselkurse’

Pfadabhängigkeit beim Schreiben von Lehrbüchern

25. November 2013

Paul Krugman schreibt:

For historical reasons, economists doing international macro usually measure the exchange rate as the price of foreign currency, e.g., for Mexico it’s pesos per dollar. As a result, on your diagrams, when your currency goes down, the exchange rate goes up. Everyone else, including other economists, hates this convention. Yet it’s nearly impossible to change it in the textbooks without upsetting thousands of course instructors.

Wenn der Wechselkurs steigtm, wertet die Währung ab. Das hat schon ganze Generationen von Studenten (mich eingeschlossen) in den Wahnsinn getrieben. Aber geteiltes Leid ist bekanntlich halbes Leid. Deswegen tut es gut zu wissen, dass selbst die Autoren des von mir verwendeten Lehrbuchs diese Konvention verwirrend finden.

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Links für heute

31. Oktober 2013

SPON: „Exportstärke: USA üben scharfe Kritik an Deutschlands Wirtschaftspolitik“

Dazu passt die plumpe Hetzschrift gegen Olivier Blanchard, die vor kurzem auf focus.de erschien: „IWF-Ökonom mit RechenschwächeDer Sparer-Enteigner schlägt schon wieder zu„.

Ich kann mich noch immer nicht so recht entscheiden, was hinter der wirtschaftspolitischen Strategie der Bundesregierung, die vom treuen Focus stetige Schützenhilfe erhält, steckt. Purer Nationalismus oder pure Dummheit?

Erfahrungen mit Krugman/Obstfeld/Melitz

4. Juli 2013

Nun zum nächsten Kurs. Im Master-Studiengang habe ich ein Fach mit dem spartanisch kurzen Titel „Currency Systems and International Financial Institutions“ unterrichtet. Grundlage dafür war das Buch „International Economics“ von Paul Krugman, Maurice Obstfeld und Marc Melitz. Letzterer ist irgendwann in den vergangenen Jahren zum Autorenteam hinzugestoßen, als ich das Buch damals in meinem Studium zu ersten Mal las war es noch von Krugman und Obstfeld.

Das Buch ist in diesem Bereich meiner Meinung nach ohne Konkurrenz. Andererseits ist der Markt für Lehrbücher über „International Economics“ natürlich sehr viel kleiner als der für allgemeine Bücher über Makroökonomie oder so. Deswegen hat das Buch – obwohl es das beste seiner Art ist – einige Schwächen. Oder andersherum ausgedrückt: Obwohl das Buch einige Schwächen hat, ist es das beste seiner Art.

Welches sind nun diese Schwächen? Als erstes muss ich hier nennen, dass die Darstellung insgesamt zu theorielastig ist. In den Vorlesungen habe ich mich natürlich immer bemüht, die Theorie mit Beispielen aus der Praxis anzureichern, aber das ist nicht immer ganz einfach. Der Text ist einfach zu sehr theoretisch angelegt und an manchen Stellen auch unnötig kompliziert. Die Titel der einzelnen Kapitel sind oft sehr lang und die inhaltliche Struktur ist für die Studierenden nur sehr schwer zu durchschauen. Dabei ist sie eigentlich nicht sehr kompliziert:

  1. Es gibt zwei wichtige internationale Märkte: den Gütermarkt und den Finanzmarkt.
  2. Ist der Finanzmarkt im Gleichgewicht, herrscht (reale) Zinsparität
  3. Aus 2. ergibt sich der Asset Approach zur Analyse der Wechselkurse. Dieser funktioniert auch kurzfristig ziemlich gut.
  4. Ist der Gütermarkt im Gleichgewicht, herrscht Kaufkraftparität.
  5. Aus 4. ergibt sich der monetäre Ansatz zur Analyse der Wechselkurse. Dieser funktioniert kurzfristig gar nicht und langfristig eher schlecht als recht, weil das Gesetz der Preiseinheitlichkeit nicht immer hält.
  6. Führt man beide Ansätze zusammen, erhält man einen Hybrid-Ansatz, der mit „realen“ Wechselkursen arbeitet.
  7. Nachdem die Wechselkursbildung erklärt wird, kommen wir noch kurz zum Mundell-Fleming-Modell.
  8. Und dann besprechen wir feste Wechselkurse und wenden die Theorie der optimalen Währungsräume auf die EU bzw. den Euroraum an.

So habe ich das in der abschließenden Vorlesung zusammengefasst. Ich hoffe, dass es somit besser verständlich wird.

Im kommenden Semester wird das Buch wieder als Grundlage dienen.