Posts Tagged ‘VWL’

Kurz notiert: Volkswirtschaftslehre ist nicht Marktlehre

14. November 2013

Einige Menschen denken anscheinend, bei der Volkswirtschaftslehre ginge es einzig und allein darum, die Funktionsweise eines Marktes zu erklären.

Das stimmt aber nicht. Wenn dem so wäre, würde man von „Marktlehre“ sprechen. Das Fach heißt aber „Volkswirtschaftslehre“.

Märkte spielen selbstverständlich eine wichtige Rolle. Ihre Bedeutung wird aber in vielen Lehrbüchern und Vorlesungen bei weitem übertrieben. Ich halte es nicht für sinnvoll, beispielsweise in einem Kurs „Mikroökonomie“ 90% der Zeit mit dem Zeichnen von Angebotskurven und Nachfragekurven zu verbringen. Stattdessen würde ich viel mehr Zeit damit verbringen, das Verhalten von einzelnen Haushalten und Unternehmen zu analysieren.

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Ökonomen streiten über den „Protestaufruf“

6. Juli 2012

Eine Gruppe von VWL-Professoren um Hans-Werner-Sinn hat einen „Protestaufruf“ geschrieben, den die FAZ im Wortlaut wiedergibt.

Meiner Meinung nach besteht der Aufruf vor allem aus heißer Luft, er enthält kein einziges wirkliches Argument. Vom Niveau her kommt der Aufruf eher einem anonymen Eintrag, den ein durchschnittlich gebildeter User in einem beliebigen Diskussionsforum schreiben könnte, gleich. Von VWL-Professoren darf man eigentlich mehr erwarten.

Die FTD, die ich gestern bereits lobte, beweist auch in diesem Fall ihre Qualität und sammelt Einschätzungen von Ökonomen, die den Aufruf nicht unterzeichnet haben.

Warum ich keine deutschen Lehrbücher lese

3. Juli 2012

Ich mag die deutsche Sprache wirklich gern, aber deutsche Lehrbücher – egal in welchem Fach – lese ich aus Prinzip nicht. Auch sonst vermeide ich deutschsprachige Texte meistens, sie sind einfach viel zu umständlich geschrieben. Deutsche Autoren haben eine unwahrscheinliche Lust daran, völlig simple und triviale Gedanken in Wort- und Satzungetüme zu verpacken, die man nur mit extrem anstrenger und zeitraubender Exegese entschlüsseln kann. Jedenfalls geht es mir so. In der Zeit, die ich für einen deutschsprachigen Artikel brauche, kann ich fünf englische lesen.

Aber nicht nur beim Schreiben und Formulieren machen die Deutschen es sich und ihren Lesern schwer. Nein, die schlimmsten Hürden werden beim Zitieren aufgebaut. Ein Beispiel gefällig? Heute lese ich (es ließ sich leider nicht vermeiden) ein deutschsprachiges Buch über das Stabilitätsgesetz. Auf Seite 136 finde ich eine interessante Aussage, die offenbar nicht aus der Feder des Autors stammt, denn sie ist mit der Fußnote 72 versehen. Natürlich befindet sich die Fußnote nicht am Ende der Seite 136, sondern am Ende des Kapitels auf Seite… blätter, blätter… 143. Juhu, gefunden! Doch was steht dort zu meinem Entsetzen? „SCHMIDT, aaO, S. 155 Fn 29“. Zum Glück weiß ich schon aus anderen unerfreulichen Begegnungen mit der deutschen Literatur, dass „aaO“ für „am anderen Ort“ steht. Doch wo mag dieser andere Ort sein? Ich fliege durch das Fußnotenverzeichnis… Der Name „SCHMIDT“ taucht auch in den Fußnoten 69 und 63 vor (nicht aber in 49, da ist ein „SCHMITZ“ zitiert). Jedoch, oh Graus! Auch in den anderen Fußnoten steht hinter „SCHMIDT“ jeweils das häßliche „aaO“. Will man mich hier etwa verschaukeln? Nein, des Rätsels Lösung ist bald gefunden. Das Buch, in dem ich lese, besteht aus den Teilen A, B und C, und für jeden dieser Teile gibt es ein eigenes Fußnotenverzeichnis. Das Verzeichnis für Teil B befindet sich auf den Seiten 115 bis 121. Auch hier kommt der Name „SCHMIDT“ vor, und zwar in den Fußnoten 144 und 143. Aber auch dort finde ich nicht die gewünschte Literaturangabe, sondern lediglich ein „s. oben lit. c“, und was das bedeuten soll, weiß ich leider nicht. Also suche ich weiter, jetzt im Fußnotenverzeichnis von Teil A auf den Seiten 53 bis 60. Und siehe da! Bei Fußnote 39 auf Seite 55 werde ich endlich fündig! Dort steht zwar zuerst ein „BADURA“ aufgeführt, um mich zu verwirren, aber hinter dem Semikolon steht endlich als zweiter Verweis: „R. SCHMIDT, Wirtschaftspolitik und Verfassung, 1971, S. 91“. Die Angabe des Verlags fehlt, dafür würde ich jeden Studenten durchfallen lassen. Aber immerhin finde ich dank Google endlich das gesuchte Buch. Das war harte Arbeit!

Man muss ja nicht jeden Tag das Rad neu erfinden. Aber manchmal kann es schon ganz sinnvoll sein, die Erfindungen der übrigen Welt einfach mal zu sichten und – wenn sie sich als praktisch erweisen – zu übernehmen. Zu diesen praktischen Erfindungen gehört auf jeden Fall das alphabetisch geordnete Literaturverzeichnis.

Tippfehler des Tages

10. Mai 2012

„Volkswirtshaft“

Ein bislang ungebräuchlicher Begriff, jedoch semantisch korrekt und angesichts der von gewissen Volkswirten zu verantwortenden Schäden vielleicht eine sehr gute Idee.

Aufruf: Werdet Mitglied der World Economics Association!

10. Mai 2012

Ein Aufruf von Edward Fullbrook, Editor von real world economics review:

Dear Subscriber,

The real-world economics review now has 20,097 subscribers.

10,749 of them have not yet joined the World Economics Association (WEA).

Next week on the 16th the WEA will be one year old.

If 652 of those 10,749 were to join the WEA between now and then, the WEA will have 10,000 members on its first birthday.

Yes, I know 9,348 in its first year of existence is amazing, but 10,000 sounds even more so.

If you are one of the 10,749, you can join  the WEA for free in approximately two minutes.

Why should you?  Three reasons:

  1. You will have direct access to the WEA’s two new journals (first issues June 15th and already with 9,348 subscribers).
  2. You will hear about the WEA’s numerous topical online conferences and receive its lively 12 page bi-monthly newsletter.
  3. I have saved the best for last.  You will be part of a global movement to reform economics.

Please join here

Edward Fullbrook
editor

PS: forwarding and posting will help.

Hoffentlich gelingt es, die Marke von 10.000 Mitgliedern zu knacken.