Posts Tagged ‘Keynesianer’

1936 und 2016

11. Dezember 2016

Larry Elliott: Keynesian economics: is it time for the theory to rise from the dead?

John Maynard Keynes penned his General Theory in 1936. Faced with the upheaval of 2016, what would a cryogenically frozen Keynes do?

Beratungsresistente Republik Deutschland

28. Januar 2012

Der deutsche VWL-Professor Sebastian Dullien kritisiert die deutschen VWL-Professoren in einem Gastbeitrag für die FR:

Weniger aufregend ist, dass ausländische Politiker die Krise anders wahrnehmen die deutschen. Auffällig ist aber, dass ausländische Volkswirte eine vollkommen andere Position einnehmen als ihre deutschen Kollegen. Ein Grund dafür scheint, dass die deutschen Volkswirte anders als britischen oder amerikanischen ihre Methoden und ihre Theorien nach der US-Subprime-Krise 2008/9 kaum angepasst haben. Während etwa der US-Nobelpreisträger Paul Krugman die bis dato gängigen makroökonomischen Modelle als völlig unbrauchbar kritisiert, wird in Deutschland meist so weitergemacht wie vor der Krise.

Dies, so Dullien, liegt an der Besetzung der Lehrstühle an deutschen Unis. Dort regiert der neoklassische Mainstream. Wer sich mit alternativen Theorien beschäftigt, hat kaum eine Chance, eine der begehrten W3-Professuren zu ergattern. Dullien meint nun, dass die Politik gefragt ist, dies zu ändern:

Sie [die Politik] könnte etwa die Aufstockung von Stellen und Mitteln an wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten daran knüpfen, welche Hochschule Lehrstühle für marxistische, keynesianische oder interdisziplinäre Ökonomie einrichtet. Das hat nichts mit einem grundgesetzwidrigen Eingriff der Politik in die Freiheit von Forschung und Lehre zu tun: Es wird ja keinem einmal berufenen Professor vorgeschrieben, etwas anderes zu forschen oder zu unterrichten, als er gerne möchte. So, wie [die Politik] bestimmen kann, dass eine Hochschule mit zusätzlichen Mitteln einen Lehrstuhl für erneuerbare Energien statt für Atomtechnologie einrichten soll, kann sie auch Schwerpunkte in den Wirtschaftswissenschaften setzen. Sie sollte diese Aufgabe nicht vernachlässigen.

75 Jahre „General Theory“

21. Juni 2011

Keynes‘ „General Theory“ wird dieses Jahr 75 Jahre alt. Zu diesem Anlass wurde an der Uni Cambridge (wo Keynes arbeitete) eine Konferenz ausgerichtet. Interessant vor allem die Lecture von Paul Krugman, der mit den wichtigsten Mißverständnissen aufräumt und ein paar Lehren aus der General Theory noch einmal auf den Punkt bringt. Zum Beispiel:

if there are spending-constrained debtors with debts specified in nominal terms – as there are in today’s world – a fall in wages, leading to a fall in the general price level, worsens the real burden of debt and actually has a contractionary effect on the economy.

Dies hat der BDI leider bis heute nicht verstanden.

Brad DeLong über die verschiedenen Keynesianismen

23. Mai 2011

Brad DeLong gräbt einen Post aus dem Jahr 2007 wieder aus, in dem er die  „East-Anglian Keynesian economics“ (= post-keynesianische Ökonomie) mit einer gewissen Selbstherrlichkeit belächelt.

Heute scheint er anders zu denken.

Gleichzeitig entdeckt Paul Krugman, dass ein Anstieg der Ressourcenpreise sich entlang der Lieferverflechtungen fortpflanz und irgendwann auch bei allen möglichen Konsumgütern (nicht nur Lebensmittel und Energie) ankommt. Es scheint fast, als habe er Sraffa wiederentdeckt.

Wäre es jetzt nicht an der Zeit, eine Konferenz zu organisieren, bei man die verschiedenen keynesianischen Strömungen zusammenbringt?

Man lernt nie aus

28. April 2011

Brad DeLong:

I must say that I, back in 2007, would not have believed that the world would turn out to be as fundamentalist-Keynesian as it has turned out to be. I would have said that there are full-employment equilibrium-restoring forces in the labor market which we will see operating in a year or two to push the employment-to-population ratio back up. I would have said that the long-run funding dilemmas of the social insurance states would greatly restrict the amount of expansionary fiscal policy that could be run before crowding-out became a real issue.

I would have been wrong.

Mir geht es ganz ähnlich. Die vergangenen vier Jahre haben gezeigt, daß man gewisse Beiträge von außerhalb des Mainstreams sehr ernst nehmen sollte.

Das American Economic Review wird 100

10. Februar 2011

Das American Economic Review wird 100 Jahre alt. Gratuliere. Zu diesem Anlass wurde ein „Top-20-Kommittee“ gebeten, die 20 besten Artikel, die in diesen 100 Jahren im AER erschienen sind, zu bestimmen. Ob eine solche Top-20 überhaupt Sinn macht, sei einmal dahingestellt, und über die Auswahl kann man sicherlich lange streiten. Ich möchte vor allem zwei Dinge hervorheben:

1) Kein einziger der 20 Artikel befasst sich mit umweltökonomischen Fragen. Wie kann das sein im Zeitalter von Klimawandel und zunehmenden Ressourcenkonflikten?

2) Die Produktionsfunktion nach Cobb und Douglas wird immer noch als geniale Erfindung verkauft. Kein Wort von der Kritik an der mangelhaften kapitaltheoretischen Fundierung und der fehlenden empirischen Evidenz.

Trotz dieser Kritikpunkte sind aber doch ein paar Perlen dabei. Ich würde vor allem die Beiträge von Arrow, Krugman, Dixit/Stiglitz und Grossman/Stiglitz hervorheben. Sie alle beschäftigen sich mit Abweichungen vom Ideal des „vollkommenen“ Wettbewerbs. Da diese Abweichungen in der Realität häufig vorkommen, ist es enorm wichtig, ihre Ursachen und Folgen zu verstehen.

Das Comeback der Post-Keynesianer

26. Januar 2011

Die Neo-Keynesianer der jüngeren Generation haben jahrzehntelang die Beiträge der Post-Keynesianer hingebungsvoll ignoriert. Dies scheint sich nun endlich zu ändern. Brad DeLong hebt die „Minskyaner“ auf eine Stufe mit Keynesianern und Monetaristen, und Paul Krugman zitiert gar den polnischen Marx-Keynesianer Michal Kalecki.

Die Wirtschaftswissenschaften sind auf dem richtigen Weg, aber er wird lang und steinig sein…