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Promovieren – aber richtig

15. Februar 2017

Auf Spiegel Online ist ein interessantes Interview zum Thema „Promovieren“ zu lesen. Unter anderem geht es um die Frage, warum so viele Doktoranden ihre Promotion abbrechen. Dazu drei schnelle Gedanken:

  1. Der einzige vernünftige Grund für eine Promotion ist das Ziel einer beruflichen Laufbahn in der Wissenschaft. Promovieren sollte man nur dann, wenn man Wissenschaftler werden will oder sich wenigstens vorstellen kann, Wissenschaftler zu werden. Leider gibt es in meiner Wahrnehmung viele Menschen, die mit wissenschaftlicher Arbeit eigentlich nicht viel anfangen können und einfach nur einen Doktortitel haben wollen, weil der „Dr.“ auf der Visitenkarte gut aussieht und eventuell als Karrierebooster dienen kann. Solche Promotionen halte ich für sinn- und wertlos.
  2. Der Schlüssel zum Erfolg ist eine kumulative Promotion. Das bedeutet, dass man nicht ein langes Buch schreibt, sondern mehrere einzelne Artikel. Jeder Artikel wird bei Fachzeitschriften eingereicht und durchläuft dort den Peer-Review-Prozess. So erhält man Feedback nicht nur vom Doktorvater sondern auch von externen Gutachtern. Das hat mehrere Vorteile. Erstens ist ein stetiger Fortschritt sichtbar, der die Motivation fördert. Sobald der erste Artikel akzeptiert ist, hat man einfach mehr Spaß daran, den zweiten und dritten zu schreiben. Zweitens ist der Doktorvater ständig in den Prozess eingebunden, weil er meistens als Co-Autor der einzelnen Artikel genannt wird. Die berufliche Ethik verlangt, dass er als Co-Autor am Entstehen des Artikels aktiv mitgearbeitet hat. Drittens kann natürlich auch bei einer kumulativen Promotion ein Abbruch erfolgen, aber der ist dann nicht ganz so schlimm, weil jeder einzelne Artikel ein wertvolles Zwischenergebnis darstellt. Nach dem Abbruch steht man nicht mit komplett leeren Händen da.
  3. Fachhochschulen sollten ein eigenes Promotionsrecht erhalten. Die Promotionsordnungen sollten die kumulative Promotion vorsehen. Bedingung für die Promotion sollte die Veröffentlichung von Artikeln in anerkannten internationalen Fachzeitschriften sein. Die Qualität der Promotion wird somit nicht nur durch die hochschuleigene Qualitätskontrolle sondern zusätzlich durch das Peer-Review-Verfahren der Fachzeitschriften sichergestellt.