Posts Tagged ‘EU’

Wie der Sparkurs in andere Länder „überschwappt“

24. Oktober 2013

„Spillover effects“ zwischen verschiedenen ökonomischen Einheiten entstehen immer dann, wenn die Entwicklung der einen Einheit sich auf die Entwicklung von anderen Einheiten auswirkt. Diese Effekte können positiv sein, beispielsweise wenn ein Unternehmen neue Technologien entwickelt die auch von anderen Unternehmen genutzt werden können. Sie können auch negativ sein, beispielsweise wenn einzelne EU-Staaten einen halsbrecherischen Sparkurs einschlagen und damit nicht nur die Nachfrage im eigenen Land sondern auch in den Nachbarländern schwächen.

Erste Modellrechnungen gibt es mittlerweile in einem Diskussionspapier der EU-Kommission zu sehen. Fazit: „spillover effects from simultaneous consolidations in all euro area countries at the same time have further exacerbated the recession in programme and vulnerable countries. […] The negative spillover effects from consolidations in surplus countries raises the question whether a temporary stimulus in AAA-rated countries could help the required rebalancing process in the euro area. […] it would support growth in the core countries and spillovers to the periphery countries would ease their adjustment“.

Ein interessanter Vorschlag.

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Wie oft sollte man das Handelsblatt lesen?

4. Juli 2012

Wenn man gut informiert sein will, sollte man das Handelsblatt am besten überhaupt nicht lesen. Das liegt unter anderem daran, dass sein Chefredakteur Gabor Steingart nichts, aber auch wirklich rein gar nichts, von Wirtschaft versteht. Vor ein paar Jahren hat er mal eine Titelgeschichte für den Spiegel geschrieben, um sein Büchlein „Weltkrieg um Wohlstand“ zu promoten, und für diese Story hat er von der ING-DiBa den sogenannten „Helmut-Schmidt-Journalistenpreis“ bekommen. Allein an solchen Begebenheiten kann man schon sehen, worauf Steingart seine Karriere gebaut hat: nicht auf Leistung, sondern auf gute Beziehungen zu den richtigen Leuten.

Nun fiel mir aus Zufall (oder Pech) heute früh das Handelsblatt vom 28.6. in die Hände. Auf der Titelseite prangt ein Kommentar von Steingart, der auch online verfügbar ist und vor Fehlern nur so strotzt. Kostprobe gefällig? Hier ist eine:

Das Ersetzen der wichtigsten Zutaten der Marktwirtschaft – Arbeit und Anstrengung – durch Konsum und Kredit hat uns dahin geführt, wo wir heute stehen.

Hanebüchen. Die wichtigsten Zutaten der Marktwirtschaft sind nicht Arbeit und Anstrengung, denn die gab es schon vor vielen Jahrtausenden bei den Sklaven des Pharaonenreichs. Die wichtigste Zutat der Marktwirtschaft – das sagt doch schon der Name – ist der Markt. Und zur modernen Marktwirtschaft gehören selbstverständlich auch Konsum und Kredit. Für wen soll ich denn arbeiten, wenn niemand die Früchte meiner Arbeit konsumieren will? Und wie soll ein junger Unternehmer mit einer cleveren Geschäftsidee diese umsetzen, wenn ihm niemand Kredit gewährt? Davon abgesehen: Wieviele brave schwäbische Hausfrauen legen beim Häuslekauf den gesamten Kaufpreis bar auf den Tisch, ohne einen Kredit aufzunehmen?

Was Steingart beschreibt, ist eine Subsistenzwirtschaft, in der einzelne Bauern auf ihren Höfen arbeiten und die Früchte ihrer Arbeit für den Eigenverbrauch verwenden. Mit Marktwirtschaft hat das nichts zu tun. Wer billige Propaganda zur Nährung des nationalen Überlegenheitsgefühls benötigt, mag ja einen gewissen Nutzen aus solchen Artikeln ziehen. Wer jedoch Fakten und Informationen sucht, kann sich die Lektüre des Handelsblatts locker sparen.

Der Unterschied zwischen Eurozone und Dollarzone

4. Juli 2012

Griechenland, Irland, Spanien, jetzt auch noch Zypern und Slowenien, vielleicht auch Italien… alle bald pleite, oder? Aber haben Sie auch schon mal vom wirtschaftlichen Zusammenbruch Floridas gehört? Nein? Nun, das liegt daran, dass Florida im Unterschied zu Griechenland, Irland, Spanien, Zypern, Slowenien und Italien nicht zur Eurozone gehört, sondern zur Dollarzone (auch „USA“ genannt). In der Dollarzone besteht neben der Währungsunion auch eine Fiskalunion. Das bedeutet: Wenn ein Mitgliedsstaat wie Florida in eine schwere Wirtschaftskrise rutscht, nehmen ganz automatisch die Nettotransferzahlungen zu, weil in Florida weniger Steuern gezahlt aber mehr Sozialleistungen ausgeschüttet werden. Florida erhält also mehr Geld aus Washington, und niemand verliert ein Wort darüber. Niemand kommt auf die Idee, das Rentenalter in Florida zu erhöhen, den Arbeitsmarkt zu deregulieren oder staatliche Betriebe zu privatisieren. Und erst recht kommt niemand auf die Idee, den Floridanern Dummheit, Faulheit, Korruption und allgemeine moralische-ethische Minderwertigkeit vorzuwerfen.

In der Eurozone geht es bekanntlich anders zu.

Wie könnte ein europäisches Wachstumspaket aussehen?

22. Juni 2012

Nach einer aktuellen Studie des DIW sollte es auf jeden Fall „grüne Investitionen“ beinhalten:

Grüne Investitionen können spürbare Wachstumsimpulse auch in einer Phase der Haushaltskonsolidierung geben. […] Die angestoßenen Projekte rentieren sich mittel- und langfristig über zukünftige Energieeinsparungen. Europa kommt so weiter bei der Umsetzung seiner energie- und klimapolitischen Ziele und verringert seine Abhängigkeit von Energieimporten.

Dann mal los! Worauf warten wir noch?

Merkel und der Terminator

22. Juni 2012

Angela Merkel ist schon mit vielen verglichen worden, u.a. mit Hitler (natürlich) und dem „Hungerkanzler“ Brüning (wegen seiner Sparpolitik).

Neu ist die Idee des „New Statesman„, der Merkel zum Terminator macht:

Das Bild ziert einen Kommentar von Mehdi Hasan, der – nicht als einziger – vor den fatalen Folgen der Merkelschen Sparen-um-jeden-Preis-Politik warnt.

Kein schlechter Vergleich: Merkel und die gewissenlose Maschine in Menschengestalt, die nur ihrer Programmierung dient und weder Mitgefühl noch Reue kennt. Aber es gibt noch Hoffnung, denn im zweiten Teil wird der Terminator dank einer von John Connor vorgenommenen Umprogrammierung vom gnadenlosen Killer zum selbstlosen Beschützer, und gegen Ende des Films erlernt sogar die herzlose Maschine ein wenig Menschlichkeit („I know now why you cry„). Vielleicht geht das auch mit Merkel?

Gauck lenkt vom Thema ab

12. Juni 2012

Der Herr Bundespräsident hält Reden über Auslandseinsätze der Bundeswehr, beklagt sich über die „glückssüchtige Gesellschaft“ und fordert die Bereitschaft ein, fürs Vaterland zu sterben.

Derweil brennt Europa.

Gauck lenkt vom eigentlichen Thema ab. Das Thema der politischen Debatte muss lauten: „Wie retten wir die Errungenschaften des europäischen Einigungsprozesses?“ Aber das interessiert Politiker vom Schlage Gauck, Merkel, Westerwelle usw. überhaupt nicht. Diese Politiker haben die Lust an Europa verloren, ihre Gedanken laufen in engen nationalkonservativen Bahnen und ihre Augen sehen die Welt nur noch durch die nationale Brille. Sie haben ein schwarz-rot-goldenes Brett vorm Kopf.

Schäuble erhält heute den Karlspreis

17. Mai 2012

Der Aachener Karlspreis wird in Erinnerung an Karl den Großen an Personen verliehen, die sich um die Einigung Europas besondere Verdienste erworben haben. Das ist im Prinzip eine sehr gute Idee. Aber gerade in den letzten Jahren hat die Jury ein paar Entscheidungen getroffen, die ich nicht nachvollziehen kann. Das fing mit Bill Clinton an, der sich mit seiner erfolgreichen Präsidentschaft zweifellos große Verdienste für die USA erworben hat. Aber was genau war noch mal sein Beitrag zur Einigung Europas?

Es wurde dann immer schlimmer mit der Verleihung des Preises in 2008 an Angela Merkel, in 2011 an Jean-Claude Trichet  und jetzt in 2012 an Wolfgang Schäuble. Diese drei Personen haben wesentliche Beiträge zur Schwächung, nicht Stärkung, der europäischen Einigung geleistet. Alle drei stehen für eine bornierte, engstirnige und ideologisch verblendete Wirtschaftspolitik, die zu Elend und Armut in zahrleichen EU-Mitgliedsstaaten führt und maßgeblich an den derzeitigen Schwierigkeiten in Griechenland schuld ist.

Die EU befindet sich in einer schweren Krise , vielleicht der schwersten in ihrer Geschichte. In einer solchen Lage sollte man nicht Preise für irgendwelche angeblichen Verdienste verleihen. Besser wäre es, die Verleihung des Karlspreises auszusetzen, bis die Krise überwunden ist. Dann kann man beurteilen, wer zur Krisenüberwindung beigetragen hat und sich dadurch einen Preis verdient hat. Ein möglicher Kandidat in zwei oder drei Jahren könnte dann Francois Hollande sein.

Seehofer will eine Finanztransaktionssteuer und ein Wachstumspaket

16. Mai 2012

Interessant wird es ab 6:45, als Seehofer auf den Fiskalpakt angesprochen wird. Nun sind sich bald alle mit dem neuen französischen Präsidenten einig. Die Opposition fordert schon seit Langem eine Finanztransaktionssteuer und ein Wachstumspaket. Nun sagt der CSU-Chef: „Das will ich auch“. Klasse, worauf wartet Merkel dann noch?

Arbeitgeber und Gewerkschaften zum Betreuungsgeld

26. April 2012

Eine seltene Allianz hat sich gegen die Einführung des „Betreuungsgeldes“ gebildet: Der Bund der Arbeitgeber (BDA) und der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) kritisieren in einer gemeinsamen Erklärung eine solche Maßnahme als „Rückschritt„.

Was dieses Betreuungsgeld genau nützen soll, verstehe ich auch nicht. Vor allem aber finde ich es scheinheilig, dass die Bundesregierung einerseits die EU-Partner zum Sparen, Sparen, Sparen drängt und gleichzeitig im eigenen Land neue Ausgaben mit höchst fragwürdigem wirtschafts- und sozialpolitischem Nutzen tätigt. Das passt doch vorne und hinten nicht zusammen.

Kern und Peripherie

25. April 2012

Quelle: Eurostat