Posts Tagged ‘Arbeitslosigkeit’

Zurück aus dem Urlaub

26. August 2013

Der dreiwöchige Urlaub in Spanien war schön und erholsam. Allerdings kann man als Ökonom natürlich nicht durch dieses Land fahren, ohne dabei die Folgen der gegenwärtigen Wirtschaftslage wahrzunehmen. Um diese kurz und knapp zu beschreiben, reicht ein Wort: erschütternd. Im Vergleich zu 2011 (meiner letzten längeren Spanienreise) ist der subjektiv wahrgenommene Leerstand in den Innenstädten deutlich gestiegen, es gibt mehr Kriminalität und die Zahl der Bettler auf den Straßen hat zugenommen. Das alles als Folge der völlig irren Wirtschaftspolitik, die von der spanischen Regierung (unter Druck von außen) verfolgt wird.

Die Bemühungen zur Haushaltskonsolidierung haben mittlerweile absurde Formen angenommen. So wurde die zentrale Metrostation in Madrid von „Sol“ in „Vodafone Sol“ umbenannt, dafür zahlt Vodafone wohl einen gewissen Betrag in die Kasse von Madrid. So weit ist es also inzwischen gekommen. Wenn man aufgrund von Machtlosigkeit oder fehlenden polischen Willens derartige Großunternehmen nicht mehr dazu bringen kann, ihren Anteil zur Finanzierung von öffentlichen Gütern in Form von Steuerzahlungen zu leisten, muss man eben auf freiwillig gezahlte Sponsorengelder hoffen.

Immerhin ist die Arbeitslosenquote in Spanien wieder geringfügig zurückgegangen. Sie liegt aber immer noch bei mehr als 26%. Hier muss dringend etwas geschehen, damit die gesamtwirtschaftliche Nachfrage wieder in Gang kommt.

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Die Arbeitslosenquote im Euroraum steigt weiter

1. Juli 2013

Neuer Monat, neue Arbeitslosenzahlen bei Eurostat. Im Mai 2013 ist die Arbeitslosenquote im Euroraum von 12,0% auf 12,1% gestiegen.

Inakzeptabel.

Kern und Peripherie

25. April 2012

Quelle: Eurostat

Die neuesten Arbeitslosenzahlen

2. April 2012

Es ist wieder Monatsanfang, und wie immer stellt Eurostat die neuesten Arbeitslosenzahlen vor. Leider bietet sich uns kein schöner Anblick. In Deutschland verharrt die Quote seit Oktober 2011 unverändert bei 5,7%, das ist ganz gut, aber sie könnte gerne niedriger sein. Schlimm und schlimmer wird es in Spanien (Anstieg auf 23,6%) und Griechenland (Anstieg auf 21,0% im Dezember 2011). Die Jugendarbeitslosigkeit hat in beiden Ländern inzwischen die 50-Prozent-Marke überschritten.

Und wer unternimmt etwas dagegen?

30 Jahre sind keine Ewigkeit

8. Februar 2012

Spiegel Online erinnert an den Putschversuch einiger spanischer Militärs im Februar 1981.

Das ist gerade mal etwas über 30 Jahre her. Die spanische Demokratie ist noch nicht besonders alt. Sie ist auch noch lange nicht so stabil, wie man sich das wünschen würde. Etwas vergleichbares wie die deutsche „Entnazifizierung“ hat in Spanien niemals stattgefunden. Beim Übergang von der Franco-Diktatur zur Demokratie war es oberstes Gebot, den inneren Frieden zu wahren, denn die Erinnerung an den verheerenden Bürgerkrieg von 1936-1939 war noch frisch. Deswegen hat man eine Menge Kompromisse eingehen müssen. Die Franco-Schergen sind für ihre zahllosen Verbrechen nie wirklich zur Rechenschaft gezogen worden, bis heute gibt es in weiten Teilen der spanischen Bevölkerung überzeugte Franco-Anhänger, d.h. Faschisten. Genau diese Franquisten und Faschisten tummeln sich auch in der heutigen Regierungspartei. Bezeichnenderweise führt diese – anders als andere konservative Parteien wie etwa die Christlich-Demokratische Union – das Wort „Demokratie“ nicht einmal in ihrem Namen, sie heißt einfach nur „Volkspartei“ („Partido Popular“, kurz „PP“). Vertreter der PP haben noch vor wenigen Jahren gegen die Entfernung der letzten verbleibenden Franco-Denkmäler protestiert.

Nein, die Demokratie in Spanien ist leider nicht so stabil wie man sie gerne hätte. 30 Jahre sind keine Ewigkeit.

Die spanische Arbeitslosenquote hat mittlerweile den höchsten Wert seit 1986 erreicht. Und die Europäische Union sieht tatenlos zu.

Datenquelle: Eurostat

USklerose

1. Februar 2012

Brad DeLong zeigt uns, wie in den USA zyklische Arbeitslosigkeit zr struktureller Arbeitslosigkeit wird. Das ist für die USA ein völlig neues Phänomen. Früher war es dort immer so, dass die Arbeitslosigkeit nach einer Rezession rasch wieder auf das Vorkrisenniveau gesunken ist. Dadurch gab es quasi keine langfristigen Effekte.

Das ist in Europa schon in den 1970 Jahren anders gewesen. Damals ist es den europäischen Ländern, allen voran Deutschland, einfach nicht gelungen, die Arbeitslosigkeit im Anschluss an die Ölkrisen wieder auf das Vorkrisenniveau zu drücken. Siehe hier:

Man sieht, wie die Arbeitlosigkeit bei den Rezessionen der 1970er nach oben schießt und nach Überwindung der Rezession nicht wirklich abnimmt.

Damals hieß es, das läge an der Arbeitsmarktregulierung. In den USA gäbe es diesen schönen, freien Arbeitsmarkt mit „Hire and Fire“. Dort würden in der Krise Arbeitnehmer entlassen, aber im Aufschwung würden sie dann sofort wieder eingestellt. Das sei eben ein „flexibler Arbeitsmarkt“. Der deutsche Arbeitsmarkt dagegen sei unflexibel und überreguliert, der Kündigungsschutz sei zu stark, die Unternehmen könnten es sich ja gar nicht erlauben, jetzt wieder Arbeitskräfte einzustellen. Herbert Giersch hat dafür den politisch vollkommen unkorrekten Begriff „Eurosklerose“ geprägt.

Ich bin gespannt, wie die Angebotstheoretiker jetzt die neuen Entwicklungen in den USA erklären. Wie kommt es denn, dass man dort jetzt eine ähnliche Entwicklung wie im Deutschland der 1970er Jahre sieht? Ist der US-Arbeitsmarkt etwa inzwischen auch überreguliert und sklerotisch geworden? Wird man jetzt von „USklerose“ sprechen müssen? Aber woher soll die kommen? Mir jedenfalls sind keine neuen Regelungen bekannt, die zu einer Überregulierung des US-Arbeitmarkts geführt hätten. Ist dort der Kündigungsschutz gestärkt worden? Nein. Hat die Stärke der Gewerkschaften zugenommen. Ganz im Gegenteil. Dann muss die Ursache wohl an anderer Stelle zu finden sein…

Es brennt an allen Fronten

4. November 2011

Während die EU aus Dummheit und Borniertheit an der Lösung ihrer hausgemachten Probleme scheitert, geht der Anstieg der weltweiten CO2-Emissionen fröhlich weiter und übertrifft inzwischen sogar den „Worst Case“ des IPCC-Reports von 2007. Es brennt an allen Fronten, die Politik kommt mit der Lösung der Probleme nicht mehr nach, statt Dinge zu reparieren werden sie notdürftig geflickt. Im Euroraum steigt die Arbeitslosigkeit, die Staaten versuchen zu sparen, die Haushalte versuchen zu sparen – woher soll die Nachfrage kommen?

Naja, wenigstens scheint die Sonne und bald ist Wochenende. Tipp: Tut Euch und der Welt etwas Gutes. Geht in ein veganes Restaurant, bestellt ein richtig tolles  Menü mit ein, zwei Flaschen Wein aus ökologischem Anbau und gebt der Bedienung ein fettes Trinkgeld. Wenn alle mitmachen, kommen wir vielleicht noch irgendwie da heraus.

Die Fehler der Vergangenheit

19. Mai 2011

Europa wiederholt die Fehler der Vergangenheit. Die Arbeitslosenquoten zahlreicher Mitgliedsländer verharren in zweistelligen Bereich. Bisher habe ich von den EU-Gremien leider keinen Vorschlag zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit gehört. Keinen einzigen.

James Tobin sagte 1994 über den europäischen Umgang mit den Krisen der 1970er Jahre:

Europe chose never really to recover from the two worldwide oil-shock, anti-inflation recessions of the decade 1973 to 1982. Europe seems content to return to sustainable growth rates at lower and lower rates of utilization, without ever recapturing the ground lost in those recessions. With chronic double-digit unemployment rates in several members of the European Union, the policy might be described as cutting out of the economy large fractions of the population, buying their acquiescence by welfare-state transfers, and then blaming the „structural“ unemployment on the transfers.

Die Fehler der Vergangenheit werden anscheinend wiederholt.

Amerika in Not

28. April 2011

Paul Krugman zeigt eine Grafik, die das Ausmaß der Misere in den USA sehr deutlich macht:

Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit hat in den USA einen historischen Höchststand erreicht. Langzeitarbeitslosigkeit war dort anders als in Europa nie ein Thema. Das Gesellschaftsmodell der USA beruht aber auf einer Wirtschaftslage mit Vollbeschäftigung. „Wer Arbeit sucht, der findet auch welche“ – dieser Spruch hat in den USA seit dem 2. Weltkrieg immer gegolten. Wer Arbeit suchte, fand manchmal nur lausige McJobs mit miesen Arbeitsbedingungen und Mindestlohnbezahlung, aber er fand immerhin welche. Vor diesem Hintergrund konnten sich die USA ein extrem schwaches soziales Netz leisten, denn (fast) jeder hatte Arbeit oder konnte welche finden. Das hat sich nun geändert.

Auch in Europa ist es nicht schön, über lange Jahre arbeitslos zu sein. Aber dank staatlicher Transferleistungen kann man wenigstens in ordentlichen Wohnungen leben statt im Trailerpark. Die neuen Langzeitarbeitslosen der USA dagegen stehen vor dem Abgrund.

Die Rückkehr der Kaleckianer?

27. April 2011

Brad DeLong fragt sich, warum einflussreiche Gruppen in den USA eine Politik des „sinnloses Schmerzes“ (pain without purpose) einfordern und sich gegen staatliche Maßnahmen zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit sperren.

Barbara Bergmann versucht sich an einer Erklärung:

The prolonged high unemployment is having the effect of putting downward pressure on wages in the high-wage countries. It is also increasing productivity, as the remaining workforce is being worked harder. […] That will likely result in higher profits, both now and in the future. […] The business community likes that.

Dieser Ansatz ist natürlich nicht neu. Schon bei Kalecki kann man im Jahr 1943 über die „politischen Aspekte der Vollbeschäftigung“ lesen:

under a regime of permanent full employment, the ’sack‘ would cease to play its role as a disciplinary measure. The social position of the boss would be undermined, and the self-assurance and class-consciousness of the working class would grow.

Nach Kalecki geht es den Industriekapitänen allerdings nicht mal um Gewinnmaximierung, sondern um die Stabilität des bestehenden Systems:

But ‚discipline in the factories‘ and ‚political stability‘ are more appreciated than profits by business leaders. Their class instinct tells them that lasting full employment is unsound from their point of view, and that unemployment is an integral part of the ’normal‘ capitalist system.

Wie gesagt, der Ansatz ist nicht neu. Neu ist aber, daß man derartige  politökonomische Argumente in einem Journal lesen kann, dessen Editorial Board mit hochangesehenen Ökonomen wie Stiglitz und DeLong bestückt ist. New Economic Thinking eben…