Archive for August 2013

Wo bleibt der Mindestlohn?

26. August 2013

Wo bleibt eigentlich der gesetzliche Mindestlohn, den ich als Thema im Wahlkampf erwartet hatte? Der Wahlkampf dreht sich bisher um eher triviale Fragen wie z.B. wer wann was gesagt und damit wen beleidigt haben könnte. Ich würde mir etwas mehr Substanz wünschen, vor allem im Hinblick auf die Wirtschaftspolitik.

Naja, in der Wissenschaft jedenfalls hat man das spannende Thema Mindestlohn nicht vergessen. Das German Economic Review hat eine Sonderausgabe zum Thema „Ökonomische Effekte von Mindestlöhnen in Deutschland“. Dabei geht es zwar „nur“ um branchenbezogene Mindestlöhne, aber immerhin. Gleichzeitig erscheint in den Perspektiven der Wirtschaftspolitik ein Beitrag von Alan Manning mit dem Titel „Minimum Wages: A View from the UK“. Diese Arbeiten zeigen, dass ein gesetzlicher Mindestlohn keineswegs schädlich für die gesamtwirtschaftliche Beschäftigung sein muss. Warum wird dies im Wahlkampf nicht stärker thematisiert?

Zurück aus dem Urlaub

26. August 2013

Der dreiwöchige Urlaub in Spanien war schön und erholsam. Allerdings kann man als Ökonom natürlich nicht durch dieses Land fahren, ohne dabei die Folgen der gegenwärtigen Wirtschaftslage wahrzunehmen. Um diese kurz und knapp zu beschreiben, reicht ein Wort: erschütternd. Im Vergleich zu 2011 (meiner letzten längeren Spanienreise) ist der subjektiv wahrgenommene Leerstand in den Innenstädten deutlich gestiegen, es gibt mehr Kriminalität und die Zahl der Bettler auf den Straßen hat zugenommen. Das alles als Folge der völlig irren Wirtschaftspolitik, die von der spanischen Regierung (unter Druck von außen) verfolgt wird.

Die Bemühungen zur Haushaltskonsolidierung haben mittlerweile absurde Formen angenommen. So wurde die zentrale Metrostation in Madrid von „Sol“ in „Vodafone Sol“ umbenannt, dafür zahlt Vodafone wohl einen gewissen Betrag in die Kasse von Madrid. So weit ist es also inzwischen gekommen. Wenn man aufgrund von Machtlosigkeit oder fehlenden polischen Willens derartige Großunternehmen nicht mehr dazu bringen kann, ihren Anteil zur Finanzierung von öffentlichen Gütern in Form von Steuerzahlungen zu leisten, muss man eben auf freiwillig gezahlte Sponsorengelder hoffen.

Immerhin ist die Arbeitslosenquote in Spanien wieder geringfügig zurückgegangen. Sie liegt aber immer noch bei mehr als 26%. Hier muss dringend etwas geschehen, damit die gesamtwirtschaftliche Nachfrage wieder in Gang kommt.