Liquiditätsfalle I

Es gibt in der Makroökonomie ein Gespenst, das hin und wieder großen Schrecken verbreitet und nicht leicht zu vertreiben ist. Zum ersten Mal wurde es in der Zeit der großen Depression gesichtet, dann aber verschwand es für viele Jahrzehnte von der Bildfläche und geriet in Vergessenheit. Ältere Makroökonomen mit grauen Bärten erzählten zwar gelegentlich noch davon, aber die meisten Jüngeren hielten diese Geschichten für Ammenmärchen und nahmen sie deshalb nicht ernst. Allmählich schwand die Erinnerung an das Gespenst, und auch das Wissen der Altvorderen, die wirksame Mittel zur Vertreibung des Gespenstes entdeckt hatten, geriet in Vergessenheit.

Doch dann begann das Gespenst wieder mit seinem Spuk. In den 1990er Jahren kroch es aus seinem Versteck hervor, um im fernen Japan sein Unwesen zu treiben. Die meisten Menschen in Europa und Amerika bekamen davon nichts mit. Sie wiegten sich weiterhin in Sicherheit, denn in ihren Ländern schien die Sonne, und die Erinnerung an die dunklen Nächte, in denen das Gespenst seinen Spuk trieb, konnte niemanden mehr schrecken.

Jetzt ist das Gespenst wieder da.

Sein Name ist: die Liquiditätsfalle.

Sein Spuk wird uns vermutlich noch eine ganze Weile begleiten, deswegen ist der Titel dieses Beitrags mit einer römischen „Eins“ versehen. Fortsetzung folgt…

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Eine Antwort to “Liquiditätsfalle I”

  1. ND Says:

    Paul Krugman schreibt in seinem Blog von der von Hansen postulierten „secular stagnatio“. Sind die phänomene Depression, Liquiditätsfalle, Lost Deade und Secular Stagnation etwa synonym?

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