Erfahrungen mit Blanchard und Illing

Das Semester neigt sich dem Ende zu. Die Vorlesungen in Makroökonomie sind abgeschlossen, die Klausur ist auf dem Weg in die Druckerei. Zeit, ein kurzes Fazit zu ziehen.

Als Grundlage habe ich das Buch „Makroökonomie“ von Blanchard & Illing verwendet. Damit war ich sehr zufrieden. Auf dem deutschsprachigen Makrt ist dies das beste Makro-Lehrbuch, das ich kenne. Die meisten Makro-Lehrbücher (z.B. Mankiw) fangen mit der langen Frist an und kommen erst später zur kurzen Frist. Das finde ich erstens unlogisch und zweitens didaktisch ungeschickt. Meiner Meinung nach ist es besser, mit der kurzen Frist zu beginnen, und das sehen auch Blanchard & Illing so. Nach der Einleitung (Kap. 1 und 2), in der die Grundlagen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung erläutert werden, schließt unmittelbar der Teil „die kurze Frist“ (Kap. 3 bis 5) an. In Kapitel 3 wird ein Modell des Gütermarktes eingeführt (und der Einkommensmultiplikator erläutert), in Kapitel 4 geschieht dasselbe für den Geldmarkt, und in Kapitel 5 werden Gütermarkt und Geldmarkt zusammengeführt, um das berühmte IS-LM-Modell zu begründen. Das ist ein logisch nachvollziehbarer Aufbau, der mir sehr gut gefällt. Gut sind auch die Übungen am jeweiligen Ende des Kapitels. Wenn man die richtigen Übungen aussucht, kann man auch auf Spezialthemen wie das Sparparadox, das Haavelmo-Theorem und die Liquiditätsfalle eingehen.

Danach gehen Blanchard & Illing in die mittlere Frist (Arbeitsmarkt, AS-AD-Modell, Phillipskurve, Probleme der Geldpolitik). Dieser Teil ist didaktisch ebenfalls gut aufgearbeitet. Gut gefällt mir, dass Blanchard & Illing das Thema Inflation nicht mit der alten und irreführenden Quantitätstheorie angehen, sondern mit einer Besprechung der Lohnbildung auf dem Arbeitsmarkt. Damit werden zwei zentrale Punkte klargestellt. Erstens: Inflation wird zum Problem, wenn Lohn-Preis-Spiralen entstehen. Zweitens: Ungelöste Verteilungskonflikte spielen dabei eine wichtige Rolle. Inflation entsteht in diesem Modell so: Arbeitnehmer fordern höhere Löhne (um ihren Anteil am Volkseinkommen zu erhöhen), Unternehmer erhöhen die Güterpreise (um ihren Anteil am Volkseinkommen zu erhöhen). Weniger gut gefällt mir das AS-AD-Modell – vielleicht überspringe ich das im nächsten Semester einfach und komme gleich zur Phillipskurve. Das „Drei-Gleichungs-Modell“ (Phillipskurve, Okuns Gesetz und die mit dem IS-LM-Modell erklärte AD-Kurve) lässt sich auch einfacher erklären.

Nach der Besprechung der mittleren Frist kommen Blanchard & Illing folgerichtig zur langen Frist (Wachstumstheorie, ein bisschen Entwicklungsökonomie, Kapitalakkumulation und technischer Fortschritt). Ein interessantes Thema, das man aber meiner Meinung nicht unbedingt in vier Kapitels abhandeln sollte. Ich würde es entweder noch weiter kondensieren (und die mathematische Präsentation des nicht sehr realistischen Solow-Modells auslassen) oder noch weiter ausbauen (und dann neben Solow auch die Wachstumstheorien von Kaldor, Kalecki, Lucas und Romer besprechen).

Danach kommen bei Blanchard & Illing noch vier weitere „Module“, die ich aus Zeitgründen nicht alle durchnehmen konnte. Den Abschnitt „Erwartungen“ habe ich übersprungen. „Die offene Volkswirtschaft“ habe ich stark kondensiert – wer mehr darüber wissen will, kann mein Seminar im Master-Studiengang besuchen. Den mit „Pathologien“ betitelten Teil habe ich anhand der seit 2006 auftretenden Krisen besprochen – das Buch ist von 2009 und hat demzufolge nicht viel aktuelles zu bieten. Das abschließende Modul „Zurück zur Politik“ habe ich nicht an dieser Stelle durchgenommen, ich bin stattdessen im Verlauf des Semesters immer wieder auf Fragen der Wirtschaftspolitik eingegangen.

Insgesamt ist das Buch sehr gut geeignet für einen Kurs in Makroökonomie. Ein Update wäre aber mittlerweile angebracht.

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