Archive for Juli 2013

Schäuble in Griechenland

18. Juli 2013

Anstelle eines Kommentars:

 

Liquiditätsfalle I

16. Juli 2013

Es gibt in der Makroökonomie ein Gespenst, das hin und wieder großen Schrecken verbreitet und nicht leicht zu vertreiben ist. Zum ersten Mal wurde es in der Zeit der großen Depression gesichtet, dann aber verschwand es für viele Jahrzehnte von der Bildfläche und geriet in Vergessenheit. Ältere Makroökonomen mit grauen Bärten erzählten zwar gelegentlich noch davon, aber die meisten Jüngeren hielten diese Geschichten für Ammenmärchen und nahmen sie deshalb nicht ernst. Allmählich schwand die Erinnerung an das Gespenst, und auch das Wissen der Altvorderen, die wirksame Mittel zur Vertreibung des Gespenstes entdeckt hatten, geriet in Vergessenheit.

Doch dann begann das Gespenst wieder mit seinem Spuk. In den 1990er Jahren kroch es aus seinem Versteck hervor, um im fernen Japan sein Unwesen zu treiben. Die meisten Menschen in Europa und Amerika bekamen davon nichts mit. Sie wiegten sich weiterhin in Sicherheit, denn in ihren Ländern schien die Sonne, und die Erinnerung an die dunklen Nächte, in denen das Gespenst seinen Spuk trieb, konnte niemanden mehr schrecken.

Jetzt ist das Gespenst wieder da.

Sein Name ist: die Liquiditätsfalle.

Sein Spuk wird uns vermutlich noch eine ganze Weile begleiten, deswegen ist der Titel dieses Beitrags mit einer römischen „Eins“ versehen. Fortsetzung folgt…

Update zur Makroökonomie

4. Juli 2013

Update: Soeben habe ich die neue Version von Blanchards Lehrbuch bekommen (6th Global Edition, Co-Autor ist jetzt David R. Johnson). Ein ganz hervorragendes Lehrbuch! Der einzige Wermutstropfen ist, dass Kapitel 9 gestrichen wurde, was die Autoren damit erklären, dass sie viel Post von Dozenten bekommen hätten, deren Studenten dieses Kapitel zu schwierig fanden. Schade. Aber dafür haben Blanchard & Johnson dieses Kapitel durch ein brandneues Kapitel mit dem einfachen Titel „The Crisis“ ersetzt, in dem die Ursachen und Auswirkungen der Krisen seit 2008 sehr gut erläutert werden. Auch an anderen Stellen wird immer wieder auf die aktuelle Situation eingegangen, beispielsweise in Kapitel 5 (IS-LM-Modell), wo Blanchard & Johnson auf die unterschiedlichen Ansätze von Merkel (mehr Sparpolitk) und Hollande (weniger Sparpolitik) eingehen.

Ein sehr gutes Buch. Da freut man sich ja schon fast auf das Ende der Semesterferien und den Anfang des nächsten Makro-Kurses…

Happy Birthday, USA!

4. Juli 2013

 

Erfahrungen mit Krugman/Obstfeld/Melitz

4. Juli 2013

Nun zum nächsten Kurs. Im Master-Studiengang habe ich ein Fach mit dem spartanisch kurzen Titel „Currency Systems and International Financial Institutions“ unterrichtet. Grundlage dafür war das Buch „International Economics“ von Paul Krugman, Maurice Obstfeld und Marc Melitz. Letzterer ist irgendwann in den vergangenen Jahren zum Autorenteam hinzugestoßen, als ich das Buch damals in meinem Studium zu ersten Mal las war es noch von Krugman und Obstfeld.

Das Buch ist in diesem Bereich meiner Meinung nach ohne Konkurrenz. Andererseits ist der Markt für Lehrbücher über „International Economics“ natürlich sehr viel kleiner als der für allgemeine Bücher über Makroökonomie oder so. Deswegen hat das Buch – obwohl es das beste seiner Art ist – einige Schwächen. Oder andersherum ausgedrückt: Obwohl das Buch einige Schwächen hat, ist es das beste seiner Art.

Welches sind nun diese Schwächen? Als erstes muss ich hier nennen, dass die Darstellung insgesamt zu theorielastig ist. In den Vorlesungen habe ich mich natürlich immer bemüht, die Theorie mit Beispielen aus der Praxis anzureichern, aber das ist nicht immer ganz einfach. Der Text ist einfach zu sehr theoretisch angelegt und an manchen Stellen auch unnötig kompliziert. Die Titel der einzelnen Kapitel sind oft sehr lang und die inhaltliche Struktur ist für die Studierenden nur sehr schwer zu durchschauen. Dabei ist sie eigentlich nicht sehr kompliziert:

  1. Es gibt zwei wichtige internationale Märkte: den Gütermarkt und den Finanzmarkt.
  2. Ist der Finanzmarkt im Gleichgewicht, herrscht (reale) Zinsparität
  3. Aus 2. ergibt sich der Asset Approach zur Analyse der Wechselkurse. Dieser funktioniert auch kurzfristig ziemlich gut.
  4. Ist der Gütermarkt im Gleichgewicht, herrscht Kaufkraftparität.
  5. Aus 4. ergibt sich der monetäre Ansatz zur Analyse der Wechselkurse. Dieser funktioniert kurzfristig gar nicht und langfristig eher schlecht als recht, weil das Gesetz der Preiseinheitlichkeit nicht immer hält.
  6. Führt man beide Ansätze zusammen, erhält man einen Hybrid-Ansatz, der mit „realen“ Wechselkursen arbeitet.
  7. Nachdem die Wechselkursbildung erklärt wird, kommen wir noch kurz zum Mundell-Fleming-Modell.
  8. Und dann besprechen wir feste Wechselkurse und wenden die Theorie der optimalen Währungsräume auf die EU bzw. den Euroraum an.

So habe ich das in der abschließenden Vorlesung zusammengefasst. Ich hoffe, dass es somit besser verständlich wird.

Im kommenden Semester wird das Buch wieder als Grundlage dienen.

Erfahrungen mit Blanchard und Illing

2. Juli 2013

Das Semester neigt sich dem Ende zu. Die Vorlesungen in Makroökonomie sind abgeschlossen, die Klausur ist auf dem Weg in die Druckerei. Zeit, ein kurzes Fazit zu ziehen.

Als Grundlage habe ich das Buch „Makroökonomie“ von Blanchard & Illing verwendet. Damit war ich sehr zufrieden. Auf dem deutschsprachigen Makrt ist dies das beste Makro-Lehrbuch, das ich kenne. Die meisten Makro-Lehrbücher (z.B. Mankiw) fangen mit der langen Frist an und kommen erst später zur kurzen Frist. Das finde ich erstens unlogisch und zweitens didaktisch ungeschickt. Meiner Meinung nach ist es besser, mit der kurzen Frist zu beginnen, und das sehen auch Blanchard & Illing so. Nach der Einleitung (Kap. 1 und 2), in der die Grundlagen der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung erläutert werden, schließt unmittelbar der Teil „die kurze Frist“ (Kap. 3 bis 5) an. In Kapitel 3 wird ein Modell des Gütermarktes eingeführt (und der Einkommensmultiplikator erläutert), in Kapitel 4 geschieht dasselbe für den Geldmarkt, und in Kapitel 5 werden Gütermarkt und Geldmarkt zusammengeführt, um das berühmte IS-LM-Modell zu begründen. Das ist ein logisch nachvollziehbarer Aufbau, der mir sehr gut gefällt. Gut sind auch die Übungen am jeweiligen Ende des Kapitels. Wenn man die richtigen Übungen aussucht, kann man auch auf Spezialthemen wie das Sparparadox, das Haavelmo-Theorem und die Liquiditätsfalle eingehen.

Danach gehen Blanchard & Illing in die mittlere Frist (Arbeitsmarkt, AS-AD-Modell, Phillipskurve, Probleme der Geldpolitik). Dieser Teil ist didaktisch ebenfalls gut aufgearbeitet. Gut gefällt mir, dass Blanchard & Illing das Thema Inflation nicht mit der alten und irreführenden Quantitätstheorie angehen, sondern mit einer Besprechung der Lohnbildung auf dem Arbeitsmarkt. Damit werden zwei zentrale Punkte klargestellt. Erstens: Inflation wird zum Problem, wenn Lohn-Preis-Spiralen entstehen. Zweitens: Ungelöste Verteilungskonflikte spielen dabei eine wichtige Rolle. Inflation entsteht in diesem Modell so: Arbeitnehmer fordern höhere Löhne (um ihren Anteil am Volkseinkommen zu erhöhen), Unternehmer erhöhen die Güterpreise (um ihren Anteil am Volkseinkommen zu erhöhen). Weniger gut gefällt mir das AS-AD-Modell – vielleicht überspringe ich das im nächsten Semester einfach und komme gleich zur Phillipskurve. Das „Drei-Gleichungs-Modell“ (Phillipskurve, Okuns Gesetz und die mit dem IS-LM-Modell erklärte AD-Kurve) lässt sich auch einfacher erklären.

Nach der Besprechung der mittleren Frist kommen Blanchard & Illing folgerichtig zur langen Frist (Wachstumstheorie, ein bisschen Entwicklungsökonomie, Kapitalakkumulation und technischer Fortschritt). Ein interessantes Thema, das man aber meiner Meinung nicht unbedingt in vier Kapitels abhandeln sollte. Ich würde es entweder noch weiter kondensieren (und die mathematische Präsentation des nicht sehr realistischen Solow-Modells auslassen) oder noch weiter ausbauen (und dann neben Solow auch die Wachstumstheorien von Kaldor, Kalecki, Lucas und Romer besprechen).

Danach kommen bei Blanchard & Illing noch vier weitere „Module“, die ich aus Zeitgründen nicht alle durchnehmen konnte. Den Abschnitt „Erwartungen“ habe ich übersprungen. „Die offene Volkswirtschaft“ habe ich stark kondensiert – wer mehr darüber wissen will, kann mein Seminar im Master-Studiengang besuchen. Den mit „Pathologien“ betitelten Teil habe ich anhand der seit 2006 auftretenden Krisen besprochen – das Buch ist von 2009 und hat demzufolge nicht viel aktuelles zu bieten. Das abschließende Modul „Zurück zur Politik“ habe ich nicht an dieser Stelle durchgenommen, ich bin stattdessen im Verlauf des Semesters immer wieder auf Fragen der Wirtschaftspolitik eingegangen.

Insgesamt ist das Buch sehr gut geeignet für einen Kurs in Makroökonomie. Ein Update wäre aber mittlerweile angebracht.

Artikel für die Top-Journals

1. Juli 2013

Bei RWER bloggt Edward Fullbrook über zwei Arten von Artikeln. Die eine Art dient dazu, die intellektuellen Ambitionen der Autoren zu erfüllen. Die andere Art ist intellektuell eher… naja, er drückt das etwas unfein aus… sie dient zum Karrieremachen.

Lesenswert ist auch der Kommentar von Paul Davidson, der von seinen Erfahrungen mit den Top-Journals erzählt.

Die Arbeitslosenquote im Euroraum steigt weiter

1. Juli 2013

Neuer Monat, neue Arbeitslosenzahlen bei Eurostat. Im Mai 2013 ist die Arbeitslosenquote im Euroraum von 12,0% auf 12,1% gestiegen.

Inakzeptabel.