Wie oft sollte man das Handelsblatt lesen?

Wenn man gut informiert sein will, sollte man das Handelsblatt am besten überhaupt nicht lesen. Das liegt unter anderem daran, dass sein Chefredakteur Gabor Steingart nichts, aber auch wirklich rein gar nichts, von Wirtschaft versteht. Vor ein paar Jahren hat er mal eine Titelgeschichte für den Spiegel geschrieben, um sein Büchlein „Weltkrieg um Wohlstand“ zu promoten, und für diese Story hat er von der ING-DiBa den sogenannten „Helmut-Schmidt-Journalistenpreis“ bekommen. Allein an solchen Begebenheiten kann man schon sehen, worauf Steingart seine Karriere gebaut hat: nicht auf Leistung, sondern auf gute Beziehungen zu den richtigen Leuten.

Nun fiel mir aus Zufall (oder Pech) heute früh das Handelsblatt vom 28.6. in die Hände. Auf der Titelseite prangt ein Kommentar von Steingart, der auch online verfügbar ist und vor Fehlern nur so strotzt. Kostprobe gefällig? Hier ist eine:

Das Ersetzen der wichtigsten Zutaten der Marktwirtschaft – Arbeit und Anstrengung – durch Konsum und Kredit hat uns dahin geführt, wo wir heute stehen.

Hanebüchen. Die wichtigsten Zutaten der Marktwirtschaft sind nicht Arbeit und Anstrengung, denn die gab es schon vor vielen Jahrtausenden bei den Sklaven des Pharaonenreichs. Die wichtigste Zutat der Marktwirtschaft – das sagt doch schon der Name – ist der Markt. Und zur modernen Marktwirtschaft gehören selbstverständlich auch Konsum und Kredit. Für wen soll ich denn arbeiten, wenn niemand die Früchte meiner Arbeit konsumieren will? Und wie soll ein junger Unternehmer mit einer cleveren Geschäftsidee diese umsetzen, wenn ihm niemand Kredit gewährt? Davon abgesehen: Wieviele brave schwäbische Hausfrauen legen beim Häuslekauf den gesamten Kaufpreis bar auf den Tisch, ohne einen Kredit aufzunehmen?

Was Steingart beschreibt, ist eine Subsistenzwirtschaft, in der einzelne Bauern auf ihren Höfen arbeiten und die Früchte ihrer Arbeit für den Eigenverbrauch verwenden. Mit Marktwirtschaft hat das nichts zu tun. Wer billige Propaganda zur Nährung des nationalen Überlegenheitsgefühls benötigt, mag ja einen gewissen Nutzen aus solchen Artikeln ziehen. Wer jedoch Fakten und Informationen sucht, kann sich die Lektüre des Handelsblatts locker sparen.

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