Beratungsresistente Republik Deutschland

Der deutsche VWL-Professor Sebastian Dullien kritisiert die deutschen VWL-Professoren in einem Gastbeitrag für die FR:

Weniger aufregend ist, dass ausländische Politiker die Krise anders wahrnehmen die deutschen. Auffällig ist aber, dass ausländische Volkswirte eine vollkommen andere Position einnehmen als ihre deutschen Kollegen. Ein Grund dafür scheint, dass die deutschen Volkswirte anders als britischen oder amerikanischen ihre Methoden und ihre Theorien nach der US-Subprime-Krise 2008/9 kaum angepasst haben. Während etwa der US-Nobelpreisträger Paul Krugman die bis dato gängigen makroökonomischen Modelle als völlig unbrauchbar kritisiert, wird in Deutschland meist so weitergemacht wie vor der Krise.

Dies, so Dullien, liegt an der Besetzung der Lehrstühle an deutschen Unis. Dort regiert der neoklassische Mainstream. Wer sich mit alternativen Theorien beschäftigt, hat kaum eine Chance, eine der begehrten W3-Professuren zu ergattern. Dullien meint nun, dass die Politik gefragt ist, dies zu ändern:

Sie [die Politik] könnte etwa die Aufstockung von Stellen und Mitteln an wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten daran knüpfen, welche Hochschule Lehrstühle für marxistische, keynesianische oder interdisziplinäre Ökonomie einrichtet. Das hat nichts mit einem grundgesetzwidrigen Eingriff der Politik in die Freiheit von Forschung und Lehre zu tun: Es wird ja keinem einmal berufenen Professor vorgeschrieben, etwas anderes zu forschen oder zu unterrichten, als er gerne möchte. So, wie [die Politik] bestimmen kann, dass eine Hochschule mit zusätzlichen Mitteln einen Lehrstuhl für erneuerbare Energien statt für Atomtechnologie einrichten soll, kann sie auch Schwerpunkte in den Wirtschaftswissenschaften setzen. Sie sollte diese Aufgabe nicht vernachlässigen.

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