Die pure Arroganz

Rüdiger Bachmann, Professor für Makroökonomik an der RWTH Aachen, erklärt den Lesern von Spiegel Online, warum er seinen VWL-Studenten nicht die krisenhaften Entwicklungen der letzten Jahre erklären kann: Weil die kein Mathe können!

Ich komme aus dem Lachen nicht mehr heraus. Seit wann braucht man denn hochkomplexe Mathematik, um eine ganz gewöhnliche Wirtschaftskrise zu erklären? Das ist ja wohl eine reine Schutzbehauptung. Eine solche Haltung zeigt nicht nur von Arroganz, sondern auch von Feigheit. Bachmanns Motto lautet: „Auf euer Niveau lasse ich mich nicht herab, ihr seid mir einfach zu blöd, und deswegen diskutiere ich nicht mit euch“. Das ist eines W3-Professor unwürdig.

Bachmann, der sich hinter der Mathematik versteckt, um unbequemen Diskussionen auszuweichen, erinnert mich ein bisschen an Friedrich von Hayek, über den man sich folgende Anekdote erzählt:

Hayek came to Cambridge in January 1931 to give a one-lecture version of his theory to the Marshall Society before starting on his LSE lectures. His exposition was greeted with complete silence. Keynes was in London, but Richard Kahn, who was in the audience, felt he had to break the ice. ‚Is it your view‘, he asked Hayek, ‚that if I went out tomorrow and bought a new overcoat, that would increase unemployment?‘ ‚Yes,‘ replied Hayek, turning to a blackboard full of triangles, ‚but it would take a very long mathematical argument to explain why. –Robert Skidelsky, John Maynard Keynes: The Economist as Saviour, 1994, p. 456. [Quoted from Kahn, The Making of Keynes’s General Theory, p. 182.]

Ich halte es da lieber mit Paul Krugman, der noch vor wenigen Tagen schrieb:

I have always been able, after the fact, to find a way to express in plain English what the math is telling me. If you resort to math to justify what looks like a very foolish claim, and you can’t find a plausible way to express that justification in plain English, something is wrong.

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2 Antworten to “Die pure Arroganz”

  1. donfurioso Says:

    Besonders witzig finde ich seitenlange Artikel, die nach Mathematik aussehen (lautern Formeln), aber die Begründung, warum dieses Modell in überhaupt relevant ist, fehlt. In der Astrologie braucht man auch Mathe.

  2. Ein Harvard-Professor macht’s vor « Redrockreason Says:

    […] der Meinung, man könne VWL-Laien nicht die Finanzkrise erklären, weil die kann Mathe können, macht nun der Harvard-Professor Hans-Helmt Kotz vor, wie das durchaus klappen kann. In einem […]

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