Zombie Economics: Das Wachstum der Geldmenge bestimmt die Inflation

Ein vor allem in Deutschland weit verbreiter Zombie lautet: „Das Wachstum der Geldmenge bestimmt die Inflation“. Dieser Zombie wird von den deutschen Massenmedien und ihren Wirtschaftsjournalisten immer wieder gern gefüttert, heute wieder von Yasmin El-Sharif auf Spiegel Online:

Zwischen 2008 und Mitte 2011 druckte die Fed massenhaft neues Geld, um die Nachfrage im Land anzukurbeln. Dafür nahm sie jedoch in Kauf, dass der Dollar an Wert verlor und die Inflation angeheizt wurde.

So einfach ist das aber nicht. Wer ein beliebiges VWL-Lehrbuch aufschlägt, wird irgendwo in den ersten 4 Kapiteln folgende Gleichung finden, die definitionsgemäß stimmt:

MV=PY

M: Geldmenge (money supply)

V: Umlaufgeschwindigkeit des Geldes (velocity of money)

P: Preisniveau

Y: BIP (genauer: Bruttowertschöpfung, aber wir wollen nicht kleinlich sein)

Yasmin El-Sharif (und viele andere) behaupten, dass eine Zunahme von M automatisch zu einer Zunahme von P führt (d.h. Preissteigerung, also Inflation).

Die Gleichung enthält aber nicht zwei Variablen, sondern vier.

Die richtige Erklärung lautet:

1. In den Jahren 2007 und 2008 gab es in den USA eine Vertrauenskrise, weil die Immobilienblase platzte und mehrer Banken in Schieflage gerieten. Aus Vorsicht versuchten die Bürger, Geld zu sparen. Das Geld, das auf ihren Konten lag, wurde also nicht sofort in Konsumgüter umgesetzt, sondern blieb auf dem Konto liegen. Mit anderen Worten, die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes (V) fiel.

2. Bei fallendem V und konstantem M müssen P oder Y fallen. P kann in der kurzen Frist aber nicht fallen, weil die wichtigsten Preise über  Jahre festgeschrieben sind (z.B. Arbeits- und Mietverträge). Deswegen drohte das fallende V zu einer Abnahme von Y zu führen. Eine Abnahme von Y bedeutet nichts anderes als eine Rezession.

3. Um die Rezession zu vermeiden bzw. zu mildern, musste die Fed versuchen, M zu erhöhen.

4. Unter diesen Umständen führt eine Zunahme von M nicht zu einem Anstieg von P.

Man muss einfach verstehen, dass V nicht konstant ist.

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