Archive for September 2011

Madrid

27. September 2011

Morgen früh geht’s los nach Madrid, dort nehme ich an einer Konferenz teil. Bin mal gespannt, wie die Lage dort ist. Bald sind ja Wahlen, wahrscheinlich geht dort der Wahlkampf schon los.

Trotzdem werde ich sicher auch eine Menge Spaß haben. Madrid hat ja einiges zu bieten.

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Science Fiction für Verzweifelte

26. September 2011

Da es der Menschheit nicht gelingen will, die weltweiten Treibhausgasemissionen zu reduzieren, werden jetzt andere Mittel zur Vermeidung eines katastrophalen Klimawandels gesucht. Unter dem Stichwort „Geo-Engineering“ träumt man davon, die Zusammensetzung der Atmosphäre zu verändern und dadurch die Sonneneinstrahlung auf der Erdoberfläche zu verringern.

Das klingt zunächst einmal nach Science Fiction. Ist es aber nicht, jedenfalls nicht mehr lange. Das Umweltbundesamt gibt allen Ernstes jetzt schon Gelder aus, um die Effekte des Geo-Engineerings zu erkunden. Ein entsprechendes Projekt ist gerade ausgeschrieben worden. Die Laufzeit des Projekts soll 26 Monate betragen, es handelt sich also um ein ziemlich umfangreiches Projekt. Bei den üblichen Kostensätzen für Wissenschaftler kann man davon ausgehen, dass der Budgetrahmen locker im siebenstelligen Bereich liegt. Wenn das UBA einen Millionenbetrag für diese Forschung bereitstellt, ist das keine rein ademische Spielerei mehr. Geo-Engineering wird in den nächsten Jahren allen Ernstes auf der politischen Agenda auftauchen.

Die Verzweiflung muss schon groß sein, wenn man mittlerweile so weit ist.

Zombie Economics: Das Wachstum der Geldmenge bestimmt die Inflation

23. September 2011

Ein vor allem in Deutschland weit verbreiter Zombie lautet: „Das Wachstum der Geldmenge bestimmt die Inflation“. Dieser Zombie wird von den deutschen Massenmedien und ihren Wirtschaftsjournalisten immer wieder gern gefüttert, heute wieder von Yasmin El-Sharif auf Spiegel Online:

Zwischen 2008 und Mitte 2011 druckte die Fed massenhaft neues Geld, um die Nachfrage im Land anzukurbeln. Dafür nahm sie jedoch in Kauf, dass der Dollar an Wert verlor und die Inflation angeheizt wurde.

So einfach ist das aber nicht. Wer ein beliebiges VWL-Lehrbuch aufschlägt, wird irgendwo in den ersten 4 Kapiteln folgende Gleichung finden, die definitionsgemäß stimmt:

MV=PY

M: Geldmenge (money supply)

V: Umlaufgeschwindigkeit des Geldes (velocity of money)

P: Preisniveau

Y: BIP (genauer: Bruttowertschöpfung, aber wir wollen nicht kleinlich sein)

Yasmin El-Sharif (und viele andere) behaupten, dass eine Zunahme von M automatisch zu einer Zunahme von P führt (d.h. Preissteigerung, also Inflation).

Die Gleichung enthält aber nicht zwei Variablen, sondern vier.

Die richtige Erklärung lautet:

1. In den Jahren 2007 und 2008 gab es in den USA eine Vertrauenskrise, weil die Immobilienblase platzte und mehrer Banken in Schieflage gerieten. Aus Vorsicht versuchten die Bürger, Geld zu sparen. Das Geld, das auf ihren Konten lag, wurde also nicht sofort in Konsumgüter umgesetzt, sondern blieb auf dem Konto liegen. Mit anderen Worten, die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes (V) fiel.

2. Bei fallendem V und konstantem M müssen P oder Y fallen. P kann in der kurzen Frist aber nicht fallen, weil die wichtigsten Preise über  Jahre festgeschrieben sind (z.B. Arbeits- und Mietverträge). Deswegen drohte das fallende V zu einer Abnahme von Y zu führen. Eine Abnahme von Y bedeutet nichts anderes als eine Rezession.

3. Um die Rezession zu vermeiden bzw. zu mildern, musste die Fed versuchen, M zu erhöhen.

4. Unter diesen Umständen führt eine Zunahme von M nicht zu einem Anstieg von P.

Man muss einfach verstehen, dass V nicht konstant ist.

Wie der staatliche Schuldenberg abzutragen ist

23. September 2011

Eine Studie des DIW analysiert die Wirkungen einer Vermögenssteuer in Deutschland:

Our simulations show that wealth taxation could raise a substantial amount of revenue, even if higher personal allowances target the tax to those in the top percentiles of the wealth distribution, Yet, even if high personal allowances are set, the annual tax rates required to yield revenues in the amount of Euro 100 billion, i.e., 4 percent of GDP, seem rather modest. For a personal allowance of Euro 1 million, which would confine the capital levy to the richest 0.6 percent of the population, we estimate the annual tax rate to 0.65 percent, or 0.87 percent if special reliefs for business property are included.

Von dieser Steuer wären nur Millionäre betroffen (wer ein Vermögen von weniger als 1 Million EUR besitzt, zahlt nichts). Der Steuersatz würde unter 1 Prozent liegen, was für die meisten Millionäre sicherlich zu verschmerzen wäre. Der Staat würde zusätzliche Einnahmen in Höhe von 4 Prozent des BIP erzielen.

Klingt nicht schlecht, oder?

Wer die Finanzkrise vorhergesehen hat

22. September 2011

Dieses Paper ist nicht ganz neu, aber ich wollte es schon immer mal verlinken:

http://mpra.ub.uni-muenchen.de/15892/1/MPRA_paper_15892.pdf

Darin zeigt Dirk Bezemer, dass eine Reihe von Autoren den Immobiliencrash von 2007, die Bankenkrise von 2008 und die darauffolgende Rezession kommen sah. Keiner davon gehört zum wirtschaftswissenschaftlichen Mainstream.

Der Papst kommt nach Deutschland

22. September 2011

Und manch einer wundert sich, dass der wie ein Popstar bejubelte Benedikt („wir sind Papst“) sich als knallharter, ultrakonservativer Knochen entpuppt hat. Dabei war das eigentlich zu erwarten. In der Metalszene war der damalige Kardinal Ratzinger schon wohlbekannt, weil er seine Schafe vor angeblich satanistischen Bands wie Led Zeppelin, Kiss und AC/DC „schützen“ wollte. In den Achtzigern hat er sogar versucht, Konzerte von Alice Cooper und anderen zu verhindern.

Über den Papst und seine Politik könnte ich jetzt einen langen bissigen Text verfassen. Dazu habe ich heute aber keine Lust – die Sonne scheint und ich habe gute Laune. Deswegen gibt’s stattdessen einfach ein bisschen Musik:

Warum hört die EZB nicht auf die Deutschen?

17. September 2011

Weil Deutschland es nicht schafft, kompetente Leute zur EZB schicken. Das schreibt jedenfalls Thomas Fricke in der FTD. An der Kompetenz von Asmussen haben aber auch schon andere gezweifelt. Insofern ist es vielleicht ganz gut, wenn er zur EZB geht, wo er nicht viel Einfluss haben wird, denn sein bisheriger Posten im Finanzministerium wird dadurch ja frei.

Peter Bofinger nimmt die EZB in Schutz

16. September 2011

Bofinger auf Spiegel Online:

Kritiker werfen der Europäischen Zentralbank vor, sich immer mehr von den vermeintlich guten alten Prinzipien der Bundesbank zu verabschieden. Vor allem der Kauf von Staatsanleihen gilt vielen als Todsünde. Dabei machen die Währungshüter genau das Richtige.

Peter Bofinger war übrigens damals unter Gerhard Schröder als Bundesbankpräsident im Gespräch. Aus mir nicht ganz klaren Gründen wurde dieser Posten dann aber an Axel Weber vergeben, der Anfang des Jahres einen ziemlich unrühmlichen Abgang hinlegte. Bofinger hätte vermutlich mit mehr Stil agiert.

Dänemark stimmt gegen Austerität

16. September 2011

In Dänemark hatten die Wähler die Gelegenheit, über die Makropolitik ihres Landes abzustimmen. Tagesschau.de berichtet:

Während sich [der bisherige Regierungschef] Rasmussen dafür stark gemacht hatte, die Staatsausgaben zu verringern, um einen ausgeglichenen Haushalt zu erreichen, plädierten die [oppositionellen] Sozialdemokraten dafür, die Wirtschaft mit zusätzlichen Ausgaben von rund 18 Milliarden Kronen (etwa 2,4 Milliarden Euro) anzukurbeln. Finanziert werden sollen die Mehrausgaben durch eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit um eine Stunde. Thorning-Schmidt [die Spitzenkandidaten der siegreichen Sozialdemokraten] war mit dem Versprechen angetreten, einige der Sparmaßnahmen der bisherigen Regierung rückgängig zu machen.

Mit anderen Worten: Dänemark hat gegen Austerität und für expansive Makropolitik gestimmt. Das sollte den Parteien in anderen Ländern zu denken geben.

Was ich allerdings nicht verstehe, ist die Verlängerung der Wochenarbeitszeit um eine Stunde. Was das in der gegenwärtigen Wirtschaftslage bringen soll, ist mir nicht ganz klar. Trotzdem scheint die Richtung zu stimmen.

Noch immer keine Inflationsgefahr in der Eurozone

15. September 2011

Eurostat meldet heute die neuesten Zahlen zur Inflation in der EU und ihren Mitgliedsländern. Die Inflationsrate in der Eurozone liegt unverändert bei 2,5%, also 0,5% über dem EZB-Zielwert von 2%. Rechnet man die Energie heraus, liegt die Inflationsrate aber nur noch bei 1,5%.

Die Preisstabilität in der Eurozone ist also überhaupt nicht gefährdet. Die Probleme liegen ganz woanders, nämlich in der schwachen Konjunktur, der anhaltend hohen Arbeitslosigkeit in zahlreichen Ländern und der Unsicherheit über die Zahlungsfähigkeit Griechenlands.