Union will das Putzen fördern

Ordnung und Sauberkeit gehören wohl auch zu den sogenannten Sekundärtugenden, die den Konservativen besonders wichtig sind. Deswegen will die Union jetzt das Putzen fördern. Genauer: CDU und CSU wollen mit einem Zuschuss von 6 Euro pro Stunde die Beschäftigung von Haushaltshilfen fördern. Das allerdings nicht für Hinz und Kunz, nein! Die Zielgruppe sind Frauen, „die nach längerer Erwerbsunterbrechung vor der Herausforderung stehen, den beruflichen Wiedereinstieg zu organisieren“. So berichten die Ruhr-Nachrichten.

So einen verkorksten Politikansatz habe ich schon lange nicht mehr gehört. Erstens passt er nicht zum Konzept der sozialen Marktwirtschaft, das CDU und CSU doch sonst wie eine Monstranz vor sich hertragen. Marktwirtschaft heißt nämlich, dass Preise sich am Markt bilden. Wenn der Staat mit einem deftigen Zuschuss eingreift, wird der Marktmechanismus ausgehebelt. Mit genau diesem Argument blockieren CDU und CSU schon seit Jahren die dringend notwendige Einführung eines allgemein gültigen Mindestlohns.

Zweitens passt der Ansatz nicht zum Betreuungsgeld (aka Herdprämie), das die Unionsparteien in ihren Koalitionsvertrag mit der FDP hineingeschrieben haben. Das Betreuungsgeld sollen Mütter bekommen, die auf eine bezahlte Arbeit verzichten, um zuhause zu bleiben und ihre Kinder zu betreuuen. Also erst gibt es Geld vom Staat, damit die Mütter zuhause bleiben, und danach gibt es Geld vom Staat, damit sie wieder arbeiten können? So werden öffentliche Gelder wirklich zum Fenster rausgeschmissen…

Drittens frage ich mich als Mann, warum diese Förderung anscheinend nur für Frauen gilt. Ist das mit dem Grundgesetz vereinbar?

Viertens ist eine Förderung von 6 Euro pro Stunde unverschämt hoch. Viele Menschen arbeiten für Stundenlöhne, die weit darunter liegen. Die müssen sich ja ver****** vorkommen.

Fünftens sind Ausgaben für haushaltsnahe Dienstleistungen, und dazu gehören insbesondere die Tätigkeiten einer Haushaltshilfe, jetzt schon steuerlich absetzbar.

Sechstens möchte ich wissen, wie die Unionsparteien dieses adrette Wahlgeschenk für ihre Klientel finanzieren wollen, wo doch selbst in der guten Konjunkturlage das Staatsdefizit noch immer bei 2% des BIP liegt.

Nun bin ich auf die Reaktion des Finanzministers gespannt…

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Eine Antwort to “Union will das Putzen fördern”

  1. Kristin Says:

    Daumen hoch für diesen Beitrag! 🙂

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