Verfehlte Geldpolitik

Die EZB sendet ein Machtsignal und erhöht erneut den Leitzins, diesmal von 1,25 Prozent auf 1,5 Prozent. Damit will sie ihren Ruf als scharfer Wachhund über die Preisentwicklung stärken. Laut Zielsetzung der EZB soll die Inflation im Euroraum nämlich nicht über zwei Prozent liegen. Tatsächlich liegt sie aber schon seit Ende 2010 über dieser Marke. Deswegen sah die EZB sich wohl in der Pflicht, ein deutliches Signal zu senden.

Es ist ein verheerendes Signal.

Der Euroraum braucht in der gegenwärtigen Lage keine scharfen Inflationswächter; er braucht Wirtschaftswachstum, und zwar dringend. Eine Zinserhöhung macht aber Investitionen teurer und schadet somit der Konjunktur. Sie ist auch gar nicht notwendig, denn wir haben trotz allem noch immer kein Inflationsproblem. Ein solches entsteht nur dann, wenn steigende Güterpreise zu höheren Lohnabschlüssen führen und die Unternehmen darauf reagieren, indem sie die steigenden Arbeitskosten wiederum durch höhere Güterpreise zu kompensieren versuchen. In einer solchen Lage kommt eine zu Recht gefürchtete Lohn-Preis-Spirale in Gang, die nur sehr schwer wieder aufzubrechen ist.

Abb. 1: Inflation im Euroraum seit 2010

Datenquelle: Eurostat

Davon kann aber in der gegenwärtige Lage noch immer keine Rede sein. Abb. 1 zeigt die Entwicklung der Verbraucherpreise im Euroraum seit Anfang 2010 in Monatsschritten. Die allgemeine Inflationsrate ist in diesem Zeitraum von ca. 1 Prozent stetig angestiegen und liegt nunmehr bei 2,7 Prozent. Das ist es, was der EZB Sorgen bereitet. Die Abbildung zeigt aber auch, dass die Inflation vor allem von den Energiepreisen getrieben wurde, die seit Mitte 2010 um mehr als 6 Prozent, seit Anfang 2011 sogar um mehr als 10 Prozent pro Jahr zunehmen. Dagegen liegt die Kerninflationsrate, bei der die traditionell volatilen Preise von Energie und Lebensmitteln sowie Getränken und Tabakwaren herausgerechnet werden, noch immer deutlich unter 2 Prozent. Sie ist von 1,6 Prozent im April 2011 sogar wieder auf 1,5 Prozent gefallen.

Die gegenwärtig hohe Inflationsrate ist demnach fast ausschließlich auf den massiven Anstieg der Energiepreise zurückzuführen. Steigende Löhne sind nicht das Problem, denn diese würden sich in einem Anstieg aller Güterpreise niederschlagen. Die Kerninflation bleibt aber nach wie vor deutlich unter den angestrebten zwei Prozent. Insofern besteht kein Anlass zu einer restriktiven Geldpolitik. Die Zinserhöhung der EZB hat also keine ökonomische Begründung, sie dient wohl eher der Imagepflege.

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