Einer für alle

Henrik Müller beschwert sich auf Spiegel Online zurecht über die fehlerhafte deutsche Europapolitik der vergangenen Monate. Der Mann hat Recht: Angela Merkels Europapolitik ist ideenlos, egozentrisch, selbstsüchtig, kurzsichtig, ja schlicht und einfach dumm. Mit dem ewigen Hin-und-her geht Deutschland finanzielle Risiken in Milliardenhöhe ein, ohne davon irgendeinen politischen Nutzen zu haben. Henrik Müller schreibt ganz richtig: „Falls der Euro zerbricht, wird Deutschland am Pranger stehen – als diejenige Nation, die den Euro hätte retten können, es aber aus kurzsichtigem Eigeninteresse nicht getan hat. Der damit verbundene Schaden lässt sich kaum in Geld aufwiegen“.

Was würde es denn kosten, die Finanzierungsprobleme der griechischen, irischen und portugiesischen Regierungen zu lösen? Sehen wir uns doch mal die Daten von Eurostat an:

Die Daten zeigen, dass die drei genannten Staaten zusammen auf 637.132 Mio. EUR kommen. Zum Vergleich: Die deutsche Staatsschuld liegt bei 2.079.628 Mio. EUR. Deutschland könnte – wenn es wollte – ganz allein die Schulden der drei Staaten übernehmen. Die deutsche Staatsschuld stiege dann auf 2.716.760 Mio. EUR. Das wären dann 108,6% des deutschen BIP. Die Zinsbelastung für den deutschen Staat würde steigen, aber sie wäre zu tragen.

Noch leichter wäre es natürlich, wenn alle EU-Länder, oder wenigstens die Euro-Länder, gemeinsam an einem Strang zögen. Die Schulden der 17 Euro-Länder betragen zusammen 7,837,207 Millionen Euro oder 85,1% des BIP. Deutschland steht mit einer Schuldenquote von 83,2% nur geringfügig besser da. Ein Schuldenpool würde aus deutscher Sicht also praktisch nur Vorteile bringen: Die Schuldenquote würde sich aus Sicht des deutschen Steuerzahlers zwar geringfügig erhöhen (von 83,2% auf 85,1%), aber dafür wären all die gegenwärtigen Probleme mit ihren unüberschaubaren Risiken gelöst.

Ist eine solche Lösung realistisch? Nun, die Länder mit Finanzierungsproblemen (Irland, Griechenland, Portugal) müsste man nicht lange überzeugen. Auch Länder mit hohen Schuldenquoten (Italien, Belgien) wären sicherlich einverstanden. Frankreich befindet sich mit einer Schuldenquote von 81,7% in einer ähnlichen Situation wie Deutschland und wäre vermutlich bereit, eine leichte Zunahme der Schuldenquote zu akzeptieren. Spanien hat zwar eine niedrige Schuldenquote von nur 60,1%, wird aber trotzdem als Wackelkandidat gehandelt und wäre darum auch an einer raschen Lösung der Krise interessiert. Damit hätte man die wichtigsten Euro-Länder an Bord. Kleiner Länder wie Finnland, Österreich und die Niederlande könnte man sicherlich ebenfalls überzeugen, dasselbe gilt für die neueren Mitgliedsländer aus Ost- und Mitteleuropa. Letztere haben zwar meist geringe Schuldenquoten, sind aber angesichts der gewaltigen Agrar- und Strukturfondszahlungen aus Brüssel sehr an einem Fortbestand der EU interessiert. Mit etwas Verhandlungsgeschick könnte man also alle Euro-Länder davon überzeugen, ihre Schulden zu in einem gemeinsamen Pool zu bündeln. Es gäbe dann nicht mehr 17 kleine Schuldenberge, sondern nur noch einen. Einen für alle.

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