Nun macht die EU sich lächerlich

Die Euro-Länder wollen Griechenland zwingen, beträchtliche Teile seines Staatsvermögen zu privatisieren und die Einnahmen zur Haushaltskonsolidierung zu verwenden.

Ist es Unwissen? Ist es Dummheit? Oder ist es tatsächlich ein grobe Unverschämtheit?

So viel ökonomischer Unverstand kann in den oberen Rängen eigentlich gar nicht herrschen. Dort sollte man wissen, dass ein Schuldner, der von den Gläubigern zum Verkauf gezwungen wird, in der Regel sein Vernögen unter Wert verschleudern muss, weil seine Verhandlungsposition schwach ist. Das lernen kleine Kinder schon beim Monopoly-Spielen. Wenn mir jemand die Schloßallee abkaufen will, dann lasse ich ihn dafür teuer bezahlen. Bin ich aber gerade auf einem teuren Hotel gelandet und brauche dringend Bargeld, um meine Rechnung zu bezahlen, dann habe ich eine schwache Verhandlungsposition und muss die schöne Schloßallee zu einem Ramschpreis hergeben.

Die Euroländer schwächen jetzt bewusst und mit voller Absicht die Verhandlungsposition des EU-Partners Griechenland. Wenn ihnen das gelingt, wird das Staatsvermögen unter Wert verscherbelt werden. Die Investoren freuen sich, die Steuerzahler gucken wieder einmal in die Röhre.

Noch dazu, auch das weiß jeder, dient Sachvermögen als Sicherheit bei der Aufnahme von Krediten. Wenn Griechenland sein wertvolles Vermögen unter Wert verkaufen muss, sind weniger Sicherheiten für die Deckung der ausstehenden und zukünftigen Kredite da. Dadurch verschlechtert sich die Kreditwürdigkeit Griechenlands.

Dumm, dümmer, EU.

Da passt es dann voll ins Bild, dass Frau Merkel (ich mag sie nicht mehr „die Kanzlerin“ nennen, weil sie dem Amt nicht gerecht wird) auch noch den südeuropäischen Ländern eine bestimmte Renten- und Arbeitszeitpolitik vorschreiben will. Liebe Frau Merkel: In Spanien liegt die Arbeitslosigkeit bei 21%, die Jugendarbeitslosigkeit sogar doppelt so hoch. Können Sie mir verraten, was eine Anhebung des Rentenalters da bringen soll? Sollen die Alten sich noch zwei Jahre länger an ihre Jobs krallen, damit die Jungen noch weniger Chancen haben, irgendwann nachzurücken? Auf diese Weise erzeugt man jedenfalls keine Europa-Euphorie.

Helmut Kohl empfiehlt Deutschland übrigens Solidarität mit Griechenland und den anderen angeschlagenen Staaten. Man wünscht sich beinahe einen Kanzler zurück, der bei allen Schwarzgeldaffären und Hinterzimmerkungeleien doch wenigstens bewiesen hat, dass er langfristig denken kann und einen gewissen moralisch-ethischen Kompass besitzt.

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