Archive for April 2011

Urlaub in Spanien

29. April 2011

Morgen fahre ich nach Spanien, um dort eine Woche Urlaub zu machen. In dieser Zeit wird es also wahrscheinlich keine Posts geben.

In Spanien wird die Wirtschaftskrise immer schlimmer, die Arbeitslosigkeit ist gerade über 21% gestiegen. Ich werde also im Urlaub möglichst viel Geld für arbeitsintensive Dienstleistungen ausgeben (Nein, nicht für das, was Sie jetzt denken. Ich denke an Stadtführungen, Restaurantbesuche und Konzerte).

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Alle Paketdienste außer DHL abschaffen! Sofort!

28. April 2011

Heute komme ich von der Arbeit nach Hause und habe schon wieder so einen dämlichen Zettel im Briefkasten. Hermes hat um 10:50 versucht, mir ein Paket zuzustellen. Was denken die denn, wo ich um 10:50 bin??? Auf der Arbeit natürlich. Auf dem Zettel ist angekreuzt, daß Hermes morgen wieder kommt. Morgen bin ich aber auch auf der Arbeit! Also rufe ich bei der Hermes-Hotline an (für 0,14 Euro pro Minute, denn geschenkt gibt es ja nichts auf dieser Welt). Dort gelingt es mir, meine Sendung in den nächstgelegenen Hermes-Paketshop umzuleiten. Na, immerhin. Daraufhin sage ich dem Hermes-Telefonator, daß er von mir aus von jetzt ab alle meine Sendungen in den Paketshop umleiten kann. Das gehe nicht, heißt es. Dafür müßte ich dann beim Bestellen den Paketshop als Lieferadresse angeben. Gut, kann ich machen, sage ich. Aber werde ich denn benachrichtigt, wenn meine Sendung dort ankommt? Nein, das geht nicht, klärt mich der Hermes-Typ auf. Aber ich könnte ja dort anrufen oder vorbeigehen um zu schauen, ob zufällig vielleicht eine Sendung dort für mich liegt.

Groll.

DHL hat heute auch versucht, mir ein Paket zuzustellen. Da ich nicht zuhause war, haben sie es bei den Nachbarn in Nr. 25 abgegeben.

gegen Schuldenbremse, Exportwahn und Eurochaos

28. April 2011

Die Arbeitsgruppe Alternative Wirtschaftspolitik stellt heute ihr Memorandum 2011 vor. Pflichtlektüre!

Zitat des Tages

28. April 2011

Jakob Augstein über Thilo Sarrazin:

ein alter, böser Mann, vor dem die Kinder davonlaufen, wenn er um die Ecke biegt

Man lernt nie aus

28. April 2011

Brad DeLong:

I must say that I, back in 2007, would not have believed that the world would turn out to be as fundamentalist-Keynesian as it has turned out to be. I would have said that there are full-employment equilibrium-restoring forces in the labor market which we will see operating in a year or two to push the employment-to-population ratio back up. I would have said that the long-run funding dilemmas of the social insurance states would greatly restrict the amount of expansionary fiscal policy that could be run before crowding-out became a real issue.

I would have been wrong.

Mir geht es ganz ähnlich. Die vergangenen vier Jahre haben gezeigt, daß man gewisse Beiträge von außerhalb des Mainstreams sehr ernst nehmen sollte.

Amerika in Not

28. April 2011

Paul Krugman zeigt eine Grafik, die das Ausmaß der Misere in den USA sehr deutlich macht:

Die durchschnittliche Dauer der Arbeitslosigkeit hat in den USA einen historischen Höchststand erreicht. Langzeitarbeitslosigkeit war dort anders als in Europa nie ein Thema. Das Gesellschaftsmodell der USA beruht aber auf einer Wirtschaftslage mit Vollbeschäftigung. „Wer Arbeit sucht, der findet auch welche“ – dieser Spruch hat in den USA seit dem 2. Weltkrieg immer gegolten. Wer Arbeit suchte, fand manchmal nur lausige McJobs mit miesen Arbeitsbedingungen und Mindestlohnbezahlung, aber er fand immerhin welche. Vor diesem Hintergrund konnten sich die USA ein extrem schwaches soziales Netz leisten, denn (fast) jeder hatte Arbeit oder konnte welche finden. Das hat sich nun geändert.

Auch in Europa ist es nicht schön, über lange Jahre arbeitslos zu sein. Aber dank staatlicher Transferleistungen kann man wenigstens in ordentlichen Wohnungen leben statt im Trailerpark. Die neuen Langzeitarbeitslosen der USA dagegen stehen vor dem Abgrund.

Die Rückkehr der Kaleckianer?

27. April 2011

Brad DeLong fragt sich, warum einflussreiche Gruppen in den USA eine Politik des „sinnloses Schmerzes“ (pain without purpose) einfordern und sich gegen staatliche Maßnahmen zur Reduzierung der Arbeitslosigkeit sperren.

Barbara Bergmann versucht sich an einer Erklärung:

The prolonged high unemployment is having the effect of putting downward pressure on wages in the high-wage countries. It is also increasing productivity, as the remaining workforce is being worked harder. […] That will likely result in higher profits, both now and in the future. […] The business community likes that.

Dieser Ansatz ist natürlich nicht neu. Schon bei Kalecki kann man im Jahr 1943 über die „politischen Aspekte der Vollbeschäftigung“ lesen:

under a regime of permanent full employment, the ’sack‘ would cease to play its role as a disciplinary measure. The social position of the boss would be undermined, and the self-assurance and class-consciousness of the working class would grow.

Nach Kalecki geht es den Industriekapitänen allerdings nicht mal um Gewinnmaximierung, sondern um die Stabilität des bestehenden Systems:

But ‚discipline in the factories‘ and ‚political stability‘ are more appreciated than profits by business leaders. Their class instinct tells them that lasting full employment is unsound from their point of view, and that unemployment is an integral part of the ’normal‘ capitalist system.

Wie gesagt, der Ansatz ist nicht neu. Neu ist aber, daß man derartige  politökonomische Argumente in einem Journal lesen kann, dessen Editorial Board mit hochangesehenen Ökonomen wie Stiglitz und DeLong bestückt ist. New Economic Thinking eben…

Zitat des Tages

27. April 2011

Heute von Paul Krugman:

Contractionary policies, it turns out, are contractionary.

Das hat die griechische Regierung mit Sitz in Brüssel und Washington leider noch nicht begriffen.

bequeme Lügen

26. April 2011

In meinen letzten Post hat sich eine kleine Schludrigkeit eingeschlichen, die ich gerne richtigstellen möchte. Sarrazin ist Allgemeinen keiner, der unbequeme Wahrheiten ausspricht. Vor allem spricht er bequeme Lügen aus. Diese mischt er mit etwas pseudo-wissenschaftlichem Geschwafel und frei ausgedachten Zahlen. Im Ergebnis kommt er dann bei unkundigen Menschen so rüber, als ob er unbequeme Wahrheiten ausspräche, und verdient damit sehr gut. Das ist bedauerlich, ärgerlich und gefährlich. Aber leider nicht zu ändern. Das Recht auf freie Meinungsäußerung gilt nun mal auch für Menschen, die ausgemachten Blödsinn erzählen. Es ist Aufgabe der Medien, diesen Blödsinn als solchen zu enttarnen.

Doch kein Eugeniker

22. April 2011

Sarrazin nimmt seine Auslassungen zur eugenischen Bevölkerungspolitik zurück, dafür wird das Parteiausschlußverfahren eingestellt. Zu einer echten Entschuldigung kann Sarrazin sich allerdings nicht durchringen, das läßt sein Ego wohl nicht zu. Vielmehr stellt er klar, was er iun seinem Buch eigentlich sagen wollte (seine Kritiker waren also nur zu dumm, ihn korrekt zu interpretieren). Damit muß man sich wohl zufrieden geben. Ein wichtiges Amt wird Sarrazin wohl niemals wieder bekommen, er wird die nächsten paar Jahre durch die Talkshows tingeln und mit seinem clever aufgebauten Image als unbequeme-Wahrheiten-Aussprecher prächtig verdienen.

Trotzdem ist die Affäre insgesamt recht gut gelöst worden. Bei einem Parteiausschluß wäre Sarrazin nämlich als politischer Märtyrer durch noch mehr Talkshows getingelt.