Überakkumulation und Auslastung

Der meist brilliante Brad DeLong beschreibt in seinen Vorlesungsfolien die „richtige“ Erklärung für Great Recession und ein paar „falsche“ Erklärungen.

Ich gebe ihm in den meisten Dingen recht. Was die Überakkumulation angeht, bin ich allerdings anderer Meinung. Ich glaube, dass dies durchaus eine Rolle gespielt hat, in Deutschland vermutlich sogar mehr als in den USA. Aus meiner Sicht geht es dabei aber nicht so sehr um die Überakkumulation an Realkapital, sondern um die Verteilung von Vermögen und Einkommen. Im langfristigen Trend wurden Vermögen und Einkommen „nach oben“ umverteilt: von armen Menschen mit einer hohen Konsumneigung zu reichen Menschen mit einer niedrigen Konsumneigung. Die armen haben gerade in den USA mangels Einkommenszuwächsen ihre Konsumausgaben über Kredite finanziert. Das ging eine Zeitlang gut, ungefähr bis 2007. Dann platzte die Immobilienblase, Menschen verloren ihre Jobs, und die Konsumausgaben der armen Haushalte brachen zusammen. Die Nachfrage nach Konsumgütern sank, und somit sank die Auslastung der produzierenden Betriebe. Das ist es, was ich unter einer Überakkumulation verstehe: Der Kapitalstock ist „zu hoch“ angesichts der schwachen Nachfrage. Daran hat sich übrigens bis jetzt nichts geändert. Im Februar lag die capacity utilization mit 76,3% noch immer deutlich unter dem langfristigen Mittelwert von 80,5% (Quelle).

Brad konzentriert sich bei seinen Lösungsvorschlägen auf eine Belebung der Nachfrage (kurzfristig) und weist auch auf die Notwendigkeit einer strikteren Finanzmarktregulierung (langfristig) hin. Das ist beides richtig. Dennoch denke ich, dass man auch an die Einkommensverteilung herangehen muss, denn wie sonst sollen die Konsumausgaben der US-Haushalte wieder einen Wachstumskurs einschlagen? Einen weiteren kreditfinanzierten Konsumboom möchte, der dann in ein paar Jahren wieder in eine Finanzmarktkrise mündet, möchte ich nicht gerne sehen.

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