Guttenberg ist erstmal weg…

… aber er wird wiederkommen. Wahrscheinlich werden wir ihn spätestens im Herbst 2013 wiedersehen, denn dann wird im Bund und in Bayern gewählt. Bis dahin wird die Empörung über seinen Betrug, seine Lügen und seine Verstöße gegen das Urherberrecht abgeebbt sein. Die Karriere bekommt einen Knick, aber sie wird weitergehen.

Was bleibt als Lektion aus der Affäre?

Am bemerkenswertesten fand ich es, wie das Internet zum raschen Ablauf der Ereignisse beigetragen und somit auch deren Ergebnis beeinflusst hat. Guttenbergs Strategie – Abstreiten, Vertuschen, Aussitzen – hätte vor 10, vielleicht auch 5 Jahren vermutlich funktioniert. Im Jahr 2011 sieht das allerdings anders aus, weil ein großer Teil der Bevölkerung in der Lage ist, sich über das Internet einen direkten Zugang zu den relevanten Informationen zu verschaffen. Dank Guttenplag konnte jeder Interessierte genau nachlesen, in welchem Ausmaß Guttenberg urheberrechtlich geschützte Texte anderer Autoren kopiert hatte. Das erzeugt Empörung. Es ist eine Sache, wenn ein schummelnder Doktorand seine Prüfer anlügt. Nun aber war jeder Guttenberg-Nutzer sozusagen ein Prüfer, jeder fühlte sich persönlich angelogen. Daher auch die Empörung der Doktoranden über die Verhöhnung der Wissenschaft durch Guttenberg. Der Beitrag des Internets und seiner User zur Aufdeckung des Betrugs war auch eine Art gelebter Demokratie. Das stimmt mich optimistisch, das politische Interesse und Engagement der Menschen wird durch solche Erfahrungen sicher wieder zunehmen.

Negativ aufgefallen sind mir allerdings einige Spitzenpolitiker mit ganz unmöglichen Äußerungen. Vor allem die Ministerpräsidenten von Hessen (Bouffier) und Baden-Württemberg (Mappus) haben sich gründlich blamiert, als sie in stumpfer Nibelungentreue ihrem Guttenberg beispringen wollten und dabei ihr Verständnis von Anstand und Aufrichtigkeit offenbart haben. Da waren andere Unionspolitiker klüger und, nun ja, aufrichter. Annette Schavan ist ihrer Rolle als Bundesministerin für Bildung und Forschung einigermaßen gerecht geworden, als sie sich deutlich von Guttenbergs Handlungen distanziert hat. Dasselbe gilt für einige Wissenschaftsminister der CDU-regierten Länder. Norbert Lammert hat frühzeitig erkannt, welcher Schaden für die Demokratie gedroht hätte, wenn Guttenberg mit seiner Taktik durchgekommen wäre. Die Kanzlerin hat extrem unglücklich agiert, ihre Trennung zwischen Wissenschaft und Politik ist inkonsequent. Wenn man das eine vom anderen trennt, müssen die Kabinettsmitglieder bei politischen Auftritten auf das Führen ihrer  durch wissenschaftliche Leistungen erworbenen Doktortitel verzichten. Ob sie dazu bereit sind?

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