Archive for März 2011

Wer tote Tiere essen will, muss Tiere töten

31. März 2011

Wer tote Tiere essen will, muss Tiere töten. Oder vielmehr: Wer in der Steinzeit tote Tiere essen wollte, musste Tiere töten. Heute ist das natürlich anders, heute kommt das ganze leckere Fleisch aus der Tiefkühltruhe beim Discounter, 6 Hähnchenschenkel für 1,99 €, bitte sehr. Oder man geht zum McDonalds, Hamburger für 1 €, leckerlecker!

Eine Schule in Schleswig-Holstein wollten nun im Rahmen einer Projektwoche ihren Fünftklässlern beibringen, wie man in der Steinzeit gelebt hat. Um das recht anschaulich zu gestalten, lud man einen Landwirt ein, der vor den Augen der Kindern ein kleines, niedliches Kaninchen schlachtete. Die Kinder waren entsetzt und kamen erschüttert nach Hause. Daraufhin beschwerten sich manche Eltern über die „barbarischen Vorfälle“ bei der Schulleitung.

Ja liebe Leute, was denkt Ihr denn, wo Eure Hähnchenschenkel für 1,99 € herkommen? Barbarische Vorfälle finden in der industriellen Fleischproduktion alltäglich statt! Da braucht man sich nicht bei der Schulleitung zu beschweren, wenn mal ein Kaninchen geschlachtet wird, die Kinder haben ja offensichtlich was daraus gelernt!

Vielleicht sollte man beim nächste Wandertag mal einen Schlachthof besuchen, da gibt es noch viel zu entdecken… Es reicht aber auch, sich die entsprechenden Fotos anzusehen.

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Worte und Taten

31. März 2011

In Baden-Württemberg bietet sich den Grünen eine einzigartige Chance: Sie können beweisen, dass sie ihren Worten auch Taten folgen lassen. Im Bund haben sie sich dafür ausgesprochen, bis 2017 alle KKW vom Netz zu nehmen. Aber im Bund haben sie nicht das Sagen, weil sie in der Opposition sitzen. Anders sieht es in Baden-Württemberg aus, dort werden sie bald den Ministerpräsidenten stellen. Interessant wird das Ganze dadurch, dass der scheidende Ministerpräsident Mappus (CDU) noch einen pikanten Deal eingefädelt hatte: Das Land Baden-Württemberg hat die Mehrheit am Energieversorger EnBW, der mehrere KKW betreibt, übernommen. Das Land ist somit quasi Eigentümer der KKW. Und als Eigentümer kann man die Dinger ganz einfach abschalten, man braucht kein Gesetz aufzulegen, man muss einfach nur auf den Schalter „Aus“ drücken…

Das Internet lacht…

31. März 2011

… über Alan Greenspan. Der ehemalige Chef der US-Notenbank weigert sich standhaft, etwas aus dem Kollaps der globalen Finanzmärkte im Jahr 2008 zu lernen. In einem Kommentar für die Financial Times beschwört er weiterhin den Segen der unregulierten Märkte:

Today’s competitive markets, whether we seek to recognise it or not, are driven by an international version of Adam Smith’s “invisible hand” that is unredeemably opaque. With notably rare exceptions (2008, for example), the global “invisible hand” has created relatively stable exchange rates, interest rates, prices, and wage rates.

Damit hat er dem Internet eine große Freude gemacht. Brad DeLong hat die schönsten Verballhornungen gesammelt:

Stu 03.30.11 at 1:39 pm “With notably rare exceptions, Newt Gingrich is a loyal and faithful husband.”

Andrew Edwards 03.30.11 at 1:44 pm “With notably rare exceptions, Japanese nuclear reactors have been secure from earthquakes”

Sev 03.30.11 at 2:03 pm Though unredeemably(sic) opaque, Mr. Madoff’s operations delivered excellent returns, with notably rare exceptions.

Jeff 03.30.11 at 2:08 pm With notably rare exceptions, Germany remained largely at peace with its neighbors during the 20th century.

ed 03.30.11 at 2:24 pm With notably rare exceptions, the levees protecting New Orleans have held fast in the face of major hurricanes.

Dragon-King Wangchuck 03.30.11 at 2:59 pm With notably rare exceptions, none of us is Spartacus.

Hidari 03.30.11 at 3:42 pm With notably rare exceptions, when you wake up in the morning, you know for a fact that you will still be alive by the end of the day.

Und es werden stündlich mehr…

Islamistische Atheisten

30. März 2011

Newt Gingrich, früher mal ein führender republikanischer Politiker, möchte US-Präsident werden. Warum? Weil er Angst hat, dass seine Enkel sonst in einem „atheistischen Staat, der potenziell von radikalen Islamisten dominiert wird,“ leben müssen.

Schon klar. Der islamistische Atheismus gehört nicht zu den USA. Genau so wenig, wie der Islam zu Deutschland gehört, wenn man unserem Innenminister glauben darf.

Ich würde gern wissen, ob die Atomenergie zu Deutschland gehört.

Überakkumulation und Auslastung

29. März 2011

Der meist brilliante Brad DeLong beschreibt in seinen Vorlesungsfolien die „richtige“ Erklärung für Great Recession und ein paar „falsche“ Erklärungen.

Ich gebe ihm in den meisten Dingen recht. Was die Überakkumulation angeht, bin ich allerdings anderer Meinung. Ich glaube, dass dies durchaus eine Rolle gespielt hat, in Deutschland vermutlich sogar mehr als in den USA. Aus meiner Sicht geht es dabei aber nicht so sehr um die Überakkumulation an Realkapital, sondern um die Verteilung von Vermögen und Einkommen. Im langfristigen Trend wurden Vermögen und Einkommen „nach oben“ umverteilt: von armen Menschen mit einer hohen Konsumneigung zu reichen Menschen mit einer niedrigen Konsumneigung. Die armen haben gerade in den USA mangels Einkommenszuwächsen ihre Konsumausgaben über Kredite finanziert. Das ging eine Zeitlang gut, ungefähr bis 2007. Dann platzte die Immobilienblase, Menschen verloren ihre Jobs, und die Konsumausgaben der armen Haushalte brachen zusammen. Die Nachfrage nach Konsumgütern sank, und somit sank die Auslastung der produzierenden Betriebe. Das ist es, was ich unter einer Überakkumulation verstehe: Der Kapitalstock ist „zu hoch“ angesichts der schwachen Nachfrage. Daran hat sich übrigens bis jetzt nichts geändert. Im Februar lag die capacity utilization mit 76,3% noch immer deutlich unter dem langfristigen Mittelwert von 80,5% (Quelle).

Brad konzentriert sich bei seinen Lösungsvorschlägen auf eine Belebung der Nachfrage (kurzfristig) und weist auch auf die Notwendigkeit einer strikteren Finanzmarktregulierung (langfristig) hin. Das ist beides richtig. Dennoch denke ich, dass man auch an die Einkommensverteilung herangehen muss, denn wie sonst sollen die Konsumausgaben der US-Haushalte wieder einen Wachstumskurs einschlagen? Einen weiteren kreditfinanzierten Konsumboom möchte, der dann in ein paar Jahren wieder in eine Finanzmarktkrise mündet, möchte ich nicht gerne sehen.

Die Theorie von effizienten Finanzmärkten ist ein Märchen

29. März 2011

„Die Theorie von effizienten Finanzmärkten ist ein Märchen,“ sagt Paul Woolley im Interview mit faz.net.

Schlechte Neuigkeiten also für die neoliberale Agenda. Denn ohne EMH bricht ein großer Teil ihrer theoretischen Fundierung weg…

Die Wirtschaftswoche ist ein Propagandaheftchen

28. März 2011

Letzten Freitag fiel mir im Wartezimmer eine etwas ältere Ausgabe der Wirtschaftswoche in die Hände. Normalerweise lese ich diese Zeitschrift nicht regelmäßig, und ein kurzes Reinschnuppern hat mich darin bestärkt, dass ich damit auch nicht anfangen muss. Mit seriösem Journalismus hat das, was die Wiwo macht, nämlich nichts zu tun. Ich habe schon Wahlkampfprospekte gesehen, die 1. ausgewogener und 2. besser recherchiert waren. Im Editorial fand sich ein Loblied auf die Kernenergie (ja, so alt war die Ausgabe) und ein paar Seiten später eine kurze Hetzschrift gegen Konjunkturprogramme. In letzterer musste die Fallstudie Düsseldorf dafür herhalten, über das Konjunkturpaket II zu wettern. Ja sicher, Düsseldorf hat wohl kein Konjunkturprogramm gebraucht. Aber das ist wohl kaum repräsentativ, die meisten Kommunen sind im Gegensatz dazu hoch verschuldet.

NB: Düsseldorf hat als Hauptsitz der WestLB übrigens von einem Konjunkturprogramm der besonderen Art profitiert, nämlich der Bankenrettung. Dieses spezielle Konjunkturprogramm wird von oberflächlichen Zeitschriftenartikeln immer wieder außer Acht gelassen.

Reichtumsuhr

24. März 2011

Die Reichtumsuhr zeigt das stetige Wachstum des privaten Nettovermögens in Deutschland.

39 Minuten

18. März 2011

39 Minuten liegen zwischen den zwei Meldungen, wie dieser Screenshot des Livetickers von Spiegel Online zeigt:

Um 13:10 wird gemeldet: „Merkel zweifelt am Libyen-Einsatz“. Die Kanzlerin sei „halt anderer Ansicht, was die Erfolgsaussichten des Einsatzes angeht“.

Um 13:49 kommt die Meldung: „Tripolis erklärt Waffenruhe“. Die lybische Regierung hat „eine sofortige Einstellung aller Kampfhandlungen erklärt“.

39 Minuten, die ein außenpolitisches Versagen ersten Ranges offenbaren.

Verspekuliert

18. März 2011

Die Ereignisse überschlagen sich. Spiegel Online meldet, dass Gaddafi die UN-Resolution 1973 akzeptiert. Das heißt: Waffenstillstand.

Es ist noch kein einziger NATO-Flieger gestartet, die reine Drohung hat schon bewirkt, dass Gaddafi und seine großmäulige Bande vor Angst schlottern.

Da hat sich die Bundesregierung mit ihrer ablehnenden Haltung wohl verspekuliert und ganz ohne Not die Verbündeten verprellt.