Warum Politiker miserable Wissenschaftler sind (und umgekehrt)

Die wichtigste Tugend des Wissenschaftlers ist die Bescheidenheit, seine oberste Pflicht ist das Zweifeln. Ein guter Wissenschaftler muss an allem zweifeln: an seinen Lehrern, seinen Büchern, und vor allem an seinen eigenen Theorien. Er muss ständig versuchen, Löcher in die etablierten Theorien zu schießen. Wenn es gelingt, eine weithin akzeptierte Theorie zu widerlegen, macht die Wissenschaft die größten Fortschritte.

Deswegen sind die meisten Wissenschaftler miese Politiker. Bescheidenheit wird Politikern als Schwäche ausgelegt, Zweifel an den eigenen Überzeugungen als mangelnde Standfestigkeit. Ein kritisches Hinterfragen der eigenen Handlungsweise ist nur Politikern im Ruhestand (z.B. Steinbrück) gestattet, und auch dann nur nach ein paar Jahren, wenn Gras über die Sache gewachsen ist. Umgekehrt sind die meisten erfolgreichen Politiker miserable Wissenschaftler, und zwar aus denselben Gründen.

Guttenberg war ein paar Jahre lang Teilzeitdoktorand, aber eigentlich ist er Politiker durch und durch. Auf die Plagiatsvorwürfe hat er nicht wie ein Wissenschaftler reagiert, sondern wie ein Politiker: Er hat sämtliche Vorwürfe abgestritten, seine Kritiker abgewatscht und sich darauf verlassen, dass er mit Hilfe seiner Parteifreunde und seiner guten Kontakte zu den Medien die Affäre aussitzen kann. Ein guter Wissenschaftler hätte anders reagiert. Er hätte erstens sein offensichtliches Fehlverhalten zugegeben, zweitens eine Entschuldigung angeboten und sich drittens um Richtigstellung bemüht. Guttenberg ist am Spagat zwischen Politik und Wissenschaft gescheitert. Das muss ihn nicht daran hindern, als Politiker weiterhin erfolgreich zu sein. An seiner Kompetenz als Dr. jur. muss man als Wissenschaftler allerdings – bei aller Bescheidenheit – zweifeln.

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