Dr. Guttenberg und die wissenschaftlichen Sitten

Der Shootingstar der deutschen Politik, Karl-Theodor zu Guttenberg, sieht nicht nur gut aus, sondern ist auch außerordentlich gebildet. Für seine Doktorarbeit mit dem Titel „Verfassung und Verfassungsvertrag – Konstitutionelle Entwicklungsstufen in den USA und der EU“ erhielt er seinerzeit die Bestnote – summa cum laude.

Jetzt allerdings berichten mehrere Medien von Plagiatsvorwürfen (Süddeutsche Zeitung, Spiegel Online, Focus, Stern). Der Doktorand zu Guttenberg soll Texte von anderen Autoren per copy-and-paste in seine Arbeit eingefügt haben und nicht als Zitate gekennzeichnet haben. Das würde gegen die guten wissenschaftlichen Sitten verstoßen. Wenn so etwas im Nachhinein herauskommt, kann die Universität den von ihr verliehenen Doktortitel wieder zurückziehen. Dass es im Fall Guttenberg dazu kommt, ist allerdings unwahrscheinlich, weil kein Mitglied der Prüfungskommission im Nachhinein zugeben will, dass es sich hat täuschen lassen. Selbst wenn es sich bei Guttenbergs Zitaten nicht um bewusste Täuschungen sondern nur um „Schlamperei“ handelte, muss man sich allerdings fragen, wieso man mit solchen Arbeitsweisen gleich die Bestnote und nicht nur ein „bestanden“ bekommt. Plagiate sind nicht schwer zu finden, es gibt inzwischen Software, die vollautomatisch das Internet durchsucht und kopierte Passagen im Handumdrehen markiert.

Ich habe keinerlei Verständnis für Doktoranden, die auch nur einzelne Sätze von anderen abkupfern. Leider ist es aber wohl üblich, dass deutsche Unis bei aufsteigenden Politikern gerne mal etwas laschere Standards gelten lassen als bei „normalen“ Prüflingen. Auch an der Doktorarbeit der Bundesfamilienministern Kristina Schröder (damals Köhler) hat es massive Kritik gegeben (die Frankfurter Rundschau berichtete). Damals ging es allerdings nicht um fragwürdige Zitate, sondern um den Anteil der Eigenleistung, denn wesentliche Teile der Arbeit waren angeblich von Mitarbeitern der CDU-Parteibüros angefertigt worden. Tja, ein „Dr.“ vor dem Namen macht sich eben gut und kann auch in der Politik mancherlei Türen öffnen. Jungpolitiker sind deswegen scharf auf den Titel, nicht aber auf die damit zusammenhängende wissenschaftliche Plackerei.

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2 Antworten to “Dr. Guttenberg und die wissenschaftlichen Sitten”

  1. Vreni Says:

    Der Baron von Bayern ein Schwindler? Nein, der liebe Herr zu Guttenberg bleibt für mich ein guter Politiker, auch wenn er hier und da ein paar Wörter abgeschrieben sollte. Wer hat denn in sein Leben noch nie abgeschrieben oder gespickt…

  2. Nick Says:

    Leider ist das in der Politik oder in öffentlichen Ämtern etwas delikater…
    Wenn unsereins z.B. bei einer Examensarbeit solche Vergehen begangen hätte, so würde nicht nur eine Aberkennung des akademischen Grades anstehen, sondern auch noch eine Anzeige wegen Betrugs.
    Wenn es tatsächlich nur „hier und da“ gewesen wäre, hätte ihm die Uni Bayreuth nicht den Dr. jur. entzogen. Also steckt mehr dahinter. Leider hat Herr von und zu aber so getan, als sei NICHTS gewesen. Jetzt stellt sich heraus, dass es eklatante Verfahrensfehler waren. Über weitere Aufdeckungen möchte ich nicht spekulieren.
    Ich empfinde es als schwierig, eine Person, die nicht nur im schweren Fall gegen elementare universitäre Grundsätze verstoßen hat, sondern auch noch behauptet, er hätte erst gar nichts gemacht, als nicht vertrauenswürdig und unhaltbar für das Amt eines Verteidigungsministers. Bei allen Sympathien, die ich für Herrn Karl-Theodor zu Guttenberg habe.

    Nick

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