Wahnsinniger Wettbewerb

Es war einmal in einem kleinen, aber gut organisierten und wirtschaftlich erfolgreichen Land, ein staatlicher Monopolist namens Post. Dieser war von Regierung und Volk beauftragt, Briefe und Pakete von hü nach hott zu transportieren. Das Ganze funkionierte hervorragend. Die Postbeamten waren zwar teilweise mürrische, herablassende Wichtigtuer, die ihre kleine Postfiliale als ihr Fürstentum und die Kunden als lästige Bittsteller betrachteten. Aber wenn man darüber hinwegsah, war die Post ein erfolgreiches Ding: zuverlässig, preiswert und ziemlich schnell.

Heute ist die Post immer noch zuverlässig, preiswert und ziemlich schnell. Allerdings hat sie – dank der sogenannten Liberalisierung des Marktes – Konkurrenten. Deren Geschäftsmodell besteht darin, einen unglaublich miesen Service anzubieten, unter dem die Empfänger der Sendungen massiv leiden. Das allerdings zu Preisen, die den Absendern der Sendungen jeweils ein paar Cent einsparen. Der wahnsinnige Wettbewerb um Marktanteile  hat zu einer Menge völlig bescheuerter Auswüchse geführt.

Wo früher einmal am Tag der Postbote vorbeikam, kommen jetzt täglich mindestens drei, manchmal auch vier oder fünf verschiedene „Zusteller“. Früher wurde man einmal vom Klingeln des Postboten aus dem Bett geworfen, heute kann das durchaus drei- oder viermal passieren. Wenn Sie allerdings die Frechheit besitzen, nicht den ganzen Tag zuhause herumzusitzen und auf ihre Postpakete warten, ziehen Sie den Zorn der ganzen Branche auf sich. Dann finden Sie abends in ihrem Briefkasten für jedes Paket einen Zettel vor: „Ihr Paket liegt bei den Nachbarn gegenüber“. „Ihr Paket wird morgen erneut zugestellt“. „Ihr Paket liegt im Paketshop am anderen Ende der Stadt. Wenn Sie es nicht bis morgen früh um 9:00 Uhr abholen, schicken wir es zurück an den Absender“. Sie können dann die nächsten paar Tage damit verbringen, ihre in die vier Winde verstreuten Pakete einzusammeln.

Und all das nur, damit Großversender wie Amazon ein paar Cent Portokosten sparen können…

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