Mut zur Inflation

Vor ein paar Tagen hatte ich noch gefragt: „Wer hat Angst vor der Inflation“?

Henrik Müller anscheinend nicht mehr. Der Mann, der vor knapp einem Jahr noch ein Buch mit dem Titel „Sprengsatz Inflation“ veröffentlichte und darin warnte, Inflation zerstöre die Demokratie

… dieser Mann überrascht mich jetzt mit seinem neuesten Beitrag auf Spiegel Online: „Die Inflation in Deutschland beträgt rund zwei Prozent – doch das ist zu wenig. Die Preise müssten viel stärker steigen, um die Euro-Krise zu beenden“. Herzlichen Glückwunsch, Herr Müller! Sie haben den Mechanismus der Eurozone verstanden! Durch die gemeinsame Währung ist Ländern wie Spanien und Portugal der Weg einer nominalen Abwertung versperrt; eine reale Abwertung kann nur durch unterschiedliche Inflationsraten (über Jahre hinweg) geschehen. Um eine Deflation in anderen Euroländern zu vermeiden, müssen in Ländern wie Deutschland, Österreich und den Niederlanden etwas höhere Inflationsraten erzeugt werden. Es ist gut, dass Massenmedien wie SPON das verstehen und ihren Lesern erklären.

Eine Frage hätte ich aber noch an Herrn Müller. Was hat eine Kürzung der staatlichen Leistungen mit einer realen Abwertung zu tun? Der Zusammenhang kann doch höchstens sehr indirekt bestehen, nämlich wenn die Leistungskürzungen zu einer geringeren Inflation (bzw. Deflation) führen. Dann müssten jetzt die staatlichen Leistungen in Deutschland ausgeweitet werden, oder? Ist es das, was Sie uns sagen möchten? Nun, ich hätte nichts dagegen. Die deutsche Infrastruktur befindet sich teilweise in einem beklagenswerten Zustand; höhere Investitionsausgaben wären willkommen.

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