Wer hat Angst vor der Inflation?

„Ökonomen fürchten Inflation von vier Prozent“, meldet Spiegel Online, und zitiert den Chefökonomen der Deutschen Bank, der vor einer möglichen „Vervierfachung der Inflationsrate“ warnt.

Das klingt dramatisch. Eine Viervierfachung der Inflationsrate, so hat es anno 1923 auch angefangen, und dann kam die Hyperinflation, brachte uns 100-Millionen-Mark-Scheine, wirtschaftlichen Niedergang, gesellschaftlichen Verfall und zum Ende gar Diktatur und Weltkrieg.

Aber ist eine Vervierfachung wirklich so schlimm? Die Antwort gibt es zum Glück im selben Artikel: „Im vergangenen Jahr lag die Inflationsrate laut Statistischem Bundesamt bei 1,1 Prozent“. Viermal 1,1 ist 4,4 – das Horrorszenariumverliert seinen Schrecken schon mal teilweise. Eine Inflationsrate von 4,4% klingt nicht nach Weltuntergang.

Außerdem muss man wissen, dass die Europäische Zentralbank eine Zielinflationsrate von 2% anpeilt. Das Ziel ist nicht Null Prozent, sondern zwei Prozent. Diese Ziel hat die deutsche Volkswirtschaft seit Einführung des Euro quasi permanent verfehlt, die Inflationsrate lag fast in jedem Jahr deutlich unter zwei Prozent. Jetzt wird das Ziel möglicherweise nach oben verfehlt. Eine Katastrophe ist das sicherlich nicht. Der IWF hat schon im Februar 2010 überlegt, dass ein Inflationsziel von 2% vielleicht zu restriktiv ist, und dass ein Ziel von 4% gewisse Vorteile bietet, nämlich mehr Flexibilität im Krisenfall.

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3 Antworten to “Wer hat Angst vor der Inflation?”

  1. Historiker Says:

    Hier muss ich mal klugscheissen: der Beginn der ns-Diktatur ist nicht auf die Inflation zurückzuführen. Vielmehr gab es nache der Inflation von 24-29 zu einer relativen stabilisierung, die die „goldenen zwanziger“ einläutete. Die Gründe führ die ns-Diktatur liegen ehervin einer Mischung aus demokratiefeindlichkeit, die von Hindenburg, schleicher und Papen vorangetrieben wurden, Überforderung des parlamentarischen systems und der wirtschaftskrise nach 1920…

    • redrockreason Says:

      Der Kommentar ist absolut richtig. Auch ich sehe keinen direkten Zusammenhang zwischen der Hyperinflation von 1923 und der NS-Machtergreifung. Dieser wird aber immer wieder behauptet, zuletzt beispielsweise von Henrik Müller in seinem Buch „Sprengsatz Inflation“ (Auszüge hier). Solche Thesen (und ihre ständige Wiederholung) haben in Deutschland zu einer überzogenen Aversion gegen jegliche Inflation geführt.

  2. Mut zur Inflation « Redrockreason Says:

    […] Redrockreason Economics, politics, and other stuff « Wer hat Angst vor der Inflation? […]

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