Transfers können in beide Richtungen gehen

Vor zwei Tagen hatte ich festgestellt, dass es für die Probleme der Eurozone langfristig nur zwei mögliche Lösungen gibt: Auflösung oder Umwandlung in eine politische Union. Letztere würde die Gefahr von Schuldenkrisen, wie wir sie gerade in Griechenland und Irland erlebt haben, nahezu beseitigen. Warum? Das erklärt Paul Krugman am Beispiel von Irland und Nevada: Beide Staaten leiden an den Folgen einer geplatzen Immobilenblase. Irland hat die bekannten Probleme: Einbruch des BIP, hohe Arbeitslosigkeit, hohe Verschuldung von Staat und privaten Haushalten. Zum Abbau der öffentlichen Neuverschuldung senkt die Regierung ihre Ausgaben. Das schwächt die Konjunktur, die Arbeitslosigkeit steigt weiter, und letzten Endes führen die Sparbemühungen vielleicht gar nicht zum Sparerfolg (Sparparadox). Wie sieht das in Nevada aus? Auch dort gab es einen großen Wirtschaftseinbruch, viele Menschen verloren ihr Zuhause wegen geplatzter Kredite, die Arbeitslosigkeit ist hoch. Auch dort streicht die Regierung ihre Ausgaben zusammen. Aber: Der Effekt auf die Konjunktur vor Ort ist viel geringer, weil die Haushalte in Nevada einen relativ großen Anteil ihrer Einkommen von außerhalb des Staates beziehen: die Gehälter der Bundesbeamten und die Renten kommen aus Washington. Durch diese Transfermechanismen wird der enge Zusammenhang zwischen Sparen und Konjunktur durchbrochen. Das ist in Irland anders: Die irischen Rentner und Beamten beziehen ihr Einkommen aus Dublin. Wenn Dublin spart, fällt das Einkommen in ganz Irland. Eine politische Union mit einer europäischen Haushaltspolitik, Sozialversicherung und Transfermechanismen würde Irland helfen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.

Es geht dabei übrigens nicht darum, Geld bzw. Kaufkraft von „erfolgreichen“ Ländern wie Deutschland in „Problemländer“ wie Irland zu transferieren. Transfers können in beide Richtungen gehen. Zur Zeit steht Deutschland zwar gut da, aber das kann in 10 oder 20 Jahren ganz anders aussehen. Wenn dann in Deutschland eine Krise ausbricht (z.B. weil China bis dahin eigene Investitionsgüter herzustellen kann und nicht mehr auf Importe aus Deutschland angewiesen ist), wird diese durch Transfers abgefedert. Eine solche Transferunion ist also eine Art Versicherung, in die jeder einzahlt, und die im Versicherungsfall (hier: im Fall einer Wirtschaftskrise) dem Geschädigten unter die Arme greift. Versicherungen sind gut, wer möchte schon im Krankheitsfall ohne Krankenversicherung dastehen? Warum sträuben wir uns dann gegen eine europaweite Wirtschaftskrisenversicherung?

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