Die Wirksamkeit von Konjunkturprogrammen

In der Zeit ist ein erstaunlich interessanter Artikel zur Wirkung von Konjunkturprogrammen – beziehungsweise deren Wahrnehmung in Medien und Politik – erschienen. Darin zeigen die Autoren, auf welchem Niveau die Diskussion darüber leider meist stattfindet. Vor der Großen Finanzkrise hieß es landauf, landab: „Konjunkturprogramme sind Geldverbrennung und zeigen keinerlei Wirkung“. Dieser Meinung schloß sich zum Schaden von Wirtschaft und Menschen auch der damalige Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) an. Als dann im Herbst 2008 die weltweiten Finanzmärkte und mit ihnen die „reale“ Wirtschaft zu kollabieren drohten, wurde auf einmal heftig umgelenkt. Selbst Leute wie Thomas Straubhaar und Hans-Werner Sinn, die bis dahin nicht gerade als Verfechter einer keynesianischen Wirtschaftstheorie bekannt waren, setzten sich auf einmal für eine staatliche Konjunkturstützung ein. Die kam dann schließlich auch, u.a. in Form der Abwrackprämie. Jetzt, da die Zeit des Schreckens vorüber ist und ein man nicht mehr in totalen Abgrund blickt, wird allerdings wieder Kritik an den Konjunkturpogrammen laut, und zwar aus altbekannter Ecke (FAZ).

Wie die Autoren der Artikels in der Zeit so richtig bemerken, ist die Ökonomik eben keine exakte Wissenschaft. Es gibt unterschiedliche Theorien und Erklärungsansätze. Die Neoklassik ist ein Ansatz unter vielen, der sicherlich seine Verdienste hat. Ihn zum unfehlbaren Dogma zu erheben, wie es vor der Krise vielerorts geschehen ist, war allerdings ein Fehler. Außerhalb der Neoklassik hat es zahlreiche Ökonomen gegeben, die mit anderen Ansätzen erfolgreich gearbeitet haben. Leider haben die Medien davon viel zu wenig berichtet. Die Warnungen vor einer Finanzmarktrise mit anschließender weltweiter Rezession wurden dadurch nicht ausreichend wahrgenommen. Es bleibt zu wünschen, dass die Medien aus diesem Fehler gelernt haben und in Zukunft den Stand der wissenschaftlichen Diskussion etwas besser an die Öffentlichkeit transportieren. Der Artikel in der Zeit macht jedenfalls Hoffnung.

Zur Rolle von Peer Steinbrück möchte ich noch hinzufügen, dass er als Finanzminister bei jeder Gelegenheit lautstark gegen jegliche Konjunkturprogramme gewettert hat und damit eine zeitlich angepasste Reaktion auf die Ereignisse an den Finanzmärkten verhindert hat. Seine störrische und uneinsichtige Haltung brachte angesehene Ökonomen wie Paul Krugman schier zur Verzweiflung. Wenn Steinbrück jetzt im Nachhinein zugibt, dass die Konjunkturprogramme vielleicht zwei Monate zu spät kamen, ist das zwar ganz nett, aber das hätte er schon früher wissen können. Immerhin hatte das IMK schon im Dezember 2007 einen Report mit dem Titel „Der Abschwung kommt: Prognose der wirtschaftlichen Lage 2008“ herausgebracht. Wie kommt eigentlich ein SPD-Finanzminister dazu, die Veröffentlichungen des IMK, das von Hans-Böckler-Stiftung und DGB getragen wird, nicht zu lesen?

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